Şakir Gökçebağ
Twists & Turns
16. Oktober 2022 bis 16. April 2023

Şakir Gökçebağ hat in seiner Kunst zu einer erfrischend originellen Spielart des Minimalismus gefunden. Seine Werke bestehen aus einfachen Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Sie entstammen der Massenproduktion und sind vorzugsweise in Baumärkten, Bekleidungs- oder Haushaltswarengeschäften zu finden. Simple Alltagsobjekte wie Kleiderbügel, Regenschirme oder Toilettenpapierrollen arrangiert der Künstler zu subtilen Kompositionen, die sich an der Schnittstelle von Abstraktion und Gegenständlichkeit bewegen.
Auch wenn sich das für eine Arbeit gewählte Ausgangsmaterial teilweise erst auf den zweiten Blick offenbart, ist es Gökçebağ wichtig, dessen Wiedererkennbarkeit und damit seine Identität nicht völlig auszulöschen. Es ist sogar ein wesentlicher Bestandteil seines Konzepts, dass die verwendeten Gebrauchsgegenstände weltweit bekannt und verbreitet sind. Dadurch spricht seine Kunst eine globale Sprache und bleibt lebensnah. Durch die Einbettung in einen künstlerischen Kontext erhalten die banalen Dinge des Alltags eine ungeahnte, neue Aufmerksamkeit, mehr noch: Sie erfahren einen nobilitierenden Bedeutungswandel, ohne dabei ihre Bodenhaftung zu verliefen.
Diese Transformation gelingt dem Künstler durch gezielt eingesetzte Strategien der Verfremdung wie Akkumulation, serielle Anordnung und dekompositorische Verfahren, etwa Zerteilen, Zerlegen und Zerschneiden.

Auf diese Weise entstehen Werke mit überraschender visueller Wirkung: Mal wird Bewegung vorgetäuscht, mal bilden sich filigrane Strukturen von kalligrafischem Charakter heraus, und fast immer strebt Gökçebağ nach einer systematischen Ordnung der Dinge, die er bevorzugt zu repetitiven Mustern formiert. So haben viele seiner Arbeiten eine ausgesprochen ornamentale Qualität, die mitunter die abstrakte Bildsprache des Orients evoziert und damit in einen dem türkischstämmigen Künstler wohl bekannten Kulturraum verweist.
Trotz ihrer präzisen Ausführung und der strukturellen Strenge ihres Aufbaus sind Gökçebağs Arbeiten keinesfalls bierernst. Die rund 20 Werke der Ausstellung zeigen vielmehr, dass seiner Kunst stets einer Prise Humor innewohnt, die aus der findigen Metamorphose des Alltäglichen resultiert.

Biografie
1965 geboren in Denizli (TR) |
1983─1994 Studium an der Fakultät für Bildende Kunst der Marmara-Universität, Instanbul (B.A./M.A./PhD) |
1991 Stipendium der Österreichischen Bundesregierung, Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg |
1991 Staatspreis für Malerei und Skulptur, Ankara |
1995/96 DAAD-Deutschlandstipendium, Kunstakademie Düsseldorf |
1996 Markus-Lüpertz-Preis der Kunstakademie Düsseldorf |
2012 George-Maciunas-Preis, Wiesbaden |
2015 Arbeitsstipendium, Stiftung Kunstfonds, Bonn |
2016 Leo-Breuer-Preis des Landschaftsverbands Rheinland, Bonn |
2020 Stipendium der Windler-Stiftung, Künstlerresidenz Chretzeturm, Stein am Rhein (CH) |
Der Künstler lebt und arbeitet seit 2001 in Hamburg. |
Film zur Ausstellung