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Museum Ritter
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Enzo Mari

Struttura 867, 1967

Metall, lackiert, Holz, Glas

84,5 x 84,5 x 12,7 cm

Foto: Gerhard Sauer

 

Enzo Mari dürfte den meisten heute vor allem als Designer ein Begriff sein. Wenige wissen, dass er neben seinen Tätigkeiten als Entwerfer von Möbeln, Spielzeugen und Haushaltsgegenständen sowie Autor von Kinderbüchern eine Schlüsselfigur der italienischen Kunst nach 1945 ist. Mit seinen Bildern und Objekten half er Kunstrichtungen mitbegründen, die als Arte programmata und Op-Art ihren festen Platz in der Kunstgeschichte innehaben. Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Mari intensiv mit Wahrnehmungstheorien und setzte diese Erkenntnisse dann schließlich in seinen Kunstwerken um.

 

Struttura 867 besteht aus einer Art Setzkasten mit 24 mal 24, also 576 Kästchen, die mit lackierten Plättchen in den Farben Weiß, Gelb und Orange gefüllt sind. Die Plättchen sind derart angeordnet, dass sie das Mosaikmuster einer rechtwinkligen Spirale ergeben, die ihren Anfangspunkt in der unteren linken Ecke nimmt. Dieses Muster bildet das erste Strukturelement, das von einem zweiten überlagert wird. Denn die Plättchen sind zusätzlich verschieden tief in ihr Kästchen eingesetzt. Sie folgen der Spiralform in einer Wellenbewegung, die aus zwölf Schritten besteht, wobei das jeweils erste Plättchen den tiefsten und das jeweils siebte den höchsten Punkt im Kasten markiert. Diese im Grunde rational und streng systematisch durchdachte Grundanordnung von Farb-, Form- und Raumwerten führt zu einem für das Auge zunächst verwirrenden Ergebnis, und es kostet einiges an Mühe und Konzentration, diesen doch recht simplen Aufbau zu durchschauen. Dieser Eindruck wird bei dementsprechender Beleuchtung und durch die Eigenbewegung des Betrachters noch zusätzlich verstärkt, da die Schatten der Seitenwände in den verschieden tief gefüllten Kästchen ein zusätzliches unregelmäßiges Muster an horizontalen und vertikalen Wellen entstehen lassen, das sich stetig verändert und keine Beziehung zu den beiden ersten Strukturelementen zu haben scheint.

 

Wer dies als bloße Spielerei abtun möchte, liegt erstaunlicherweise gar nicht so falsch. Denn der Begriff des Spiels war für Mari und seine Kollegen äußerst wichtig, und sie haben ihn für die Kunst fruchtbar gemacht. Ausgehend von einfachen, aber streng durchgehaltenen Regeln schafft Mari so mit seinen Struttura-Werken Spiele für die Sinne, Spiele, in denen die Wahrnehmung und das Denken intuitiv lernen können, wie sie funktionieren.

 

Enzo Mari

1932 geboren in Novara

2020 gestorben in Mailand