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Museum Ritter
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Jacob Dahlgren

The Wonderful World of Abstraction, Constructivist Version, 2015

Bänder aus Seidensatin, Metallkonstruktion

300 x 300 x 280 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Franz Wamhof

Jacob Dahlgren begann seine künstlerische Laufbahn mit abstrakt-minimalistischer Farbfeldmalerei. Bis heute versteht er sich vornehmlich als Maler, auch wenn er Pinsel und Leinwand längst beiseitegelegt hat und bereits seit vielen Jahren mit Alltagsutensilien aus der Massenproduktion arbeitet. Seine Werkstoffe findet der Künstler in Baumärkten, in Kaufhäusern oder in 1-Euro-Shops: Bunte Kleiderbügel aus Plastik, Meterstäbe, billige Dartscheiben aus Papier, Bleistifte oder Joghurtbecher werden von ihm zweckentfremdet und nicht ohne ironisches Augenzwinkern in einen künstlerischen Kontext überführt. Die Idee des Readymades koppelt er dabei regelmäßig an eine serielle Arbeitsweise, um Werke zu schaffen, in denen das Prinzip der vielfachen Wiederholung von Gleichem transformatorisch wirkt und Neues hervorbringt. Durch die Akkumulation des Ausgangsmaterials und eine systematische Gestaltung entstehen konstruktiv-geometrische Arbeiten mit oft installativer, raumbezogener Komponente, in denen das Alltägliche mit der Kunst verschmilzt.

 

Für The Wonderful World of Abstraction verwendete Jacob Dahlgren mehrere tausend bunte Seidensatinbänder, die sich zu einem annähernd würfelförmigen Volumen verdichten. Zahlreiche Helfer haben die Bänder in wochenlanger Arbeit nach einer vom Künstler vorgegebenen Farbordnung an einem drei Mal drei Meter großen Metallgitter befestigt. Der Quader aus Seidensatinbändern mag auf den ersten Blick wie eine farbenfrohe Neuinterpretation von Jesús Rafael Sotos Pénétrables erscheinen, tatsächlich aber ließ sich Dahlgren von den Streifenbildern der britischen Op-Art-Künstlerin Bridget Riley inspirieren, deren flimmernde Wirkung er in die dritte Dimension erweitern wollte. Seine Absicht war es, ein Werk zu schaffen, das nicht nur die Augen reizt, sondern mit dem ganzen Körper erfahrbar ist. Der begehbare „Würfel“ aus farbigen Bändern hat dementsprechend eine ausgesprochen physische und auch spielerische Komponente, denn der Besucher kann im wahrsten Wortsinn darin eintauchen, er kann ihn fühlen, sich darin verlieren und gleichsam Teil einer „Wunderbaren Welt der Abstraktion“ werden – die Kunstwahrnehmung wird hier zum körperlichen Erlebnis.

 

Die konstruktivistische Version der Arbeit ist übrigens eine von drei Ausführungen, die aktuell existieren. Ihr Vorläufer ist eine kleinere, temporäre Testversion, die Dahlgren bereits 2004 während eines Arbeitsstipendiums in Colombo, Sri Lanka, entwickelte, wo er in einem Straßengeschäft auf abertausende Seidensatinbänder in allen erdenklichen Farben stieß.

 

Jacob Dahlgren

1970 geboren in Stockholm

Lebt und arbeitet in Stockholm