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Museum Ritter
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Heinz Mack

Silber-Mond-Rotor, 1971

Wellenglas, Edelstahl, Aluminium, Leuchtstoffröhre, Motor, Holz

50,5 x 50,5 x 16 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer

 

Ab 1959 schuf Heinz Mack von Motoren angetriebene Objekte aus Materialien, die in der in den Nachkriegsjahrzehnten wachsenden Luft- und Raumfahrtindustrie verbreitet waren. Die vornehmlich aus Aluminium und Riffelglas entwickelten Rotoren ermöglichten visuelle Wahrnehmungen, wie sie die von Mack und Otto Piene gegründete ZERO-Vereinigung grundsätzlich anstrebte. Ihnen ging es mit ihren Objekten um Raum, Licht und Bewegung – und um die visuelle Auflösung von Materialität in Licht und Bewegung. Lichtbrechungen und Reflektionen auf den reliefierten Oberflächen der Rotoren ließen den Eindruck von Vibration entstehen und forderten einen aktiven Betrachter heraus. Nach den Vorstellungen von ZERO sollten sich nicht allein das künstlerische Subjekt, Spontaneität und Emotion im Werk ausdrücken; vielmehr rückte nun der rezipierende Betrachter ins Zentrum der künstlerischen Konzeption. Mit ihrer Haltung positionierten sich Heinz Mack, Otto Piene und der wenig später hinzugekommene Günter Uecker gegen die subjektivistische Strömung des Informel. In ihren Schriften betonten sie die wahrnehmungsphysiologische Funktion der Kunst, womit sie an ältere europäische Kunsttheorien, etwa an Texte László Moholy-Nagys anknüpften. Trotz dieser Rezeption war die anfangs noch tafelbildartige, dann kinetische und installative Kunst von ZERO bahnbrechend. Schon der an den Countdown eines Raketenstarts angelehnte Name der Gruppe stand für Neubeginn, Optimismus und den Aufbau einer besseren Welt.

 

Nicht nur die Einbeziehung des Betrachters, auch neue formale Aspekte sind für die Kunst Heinz Macks charakteristisch: reduzierte Farbigkeit und Struktur. Gerade in lichtkinetischen Arbeiten wie dem Silber-Mond-Rotor von 1971 wird dies offenbar. Hinter einer Glasscheibe mit horizontaler Riffelung wird eine kreisrunde silberne Aluminiumscheibe von einem Motor angetrieben. Das Licht einer Leuchtstoffröhre erhellt den Kasten von innen, sodass sich die reflektierenden Eigenschaften des Metalls entfalten können. Das von außen einfallende Umgebungslicht erzeugt auf der reliefierten Oberfläche ein zusätzliches lebhaftes Lichtspiel. Durch die Kombination von Bewegung und Licht lösen sich die Konturen und Strukturen der Werkstoffe visuell auf; es wird die Illusion von räumlich-dynamischen Formen erzeugt, die durchaus an schwebende Himmelskörper erinnert.

 

Heinz Mack

1931 geboren in Lollar

Lebt und arbeitet in Mönchengladbach und auf Ibiza