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Museum Ritter
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Marcello Morandini

56 B – 1969, 1969

Holz, lackiert

200 x 200 cm

Foto: Olaf Nagel

Die vorherrschenden Farben im Werk von Marcello Morandini sind die Nichtfarben Schwarz und Weiß. Das gilt für seine Arbeit als Designer und Künstler gleichermaßen. „Meine Idee ist ein Alphabet aus Schwarz und Weiß, das mir unendlich viele Möglichkeiten für die Darstellung von Emotionen bietet und mit dem ich die unterschiedlichsten Resultate erzielen kann“, erklärt Morandini im Katalog zur Ausstellung Bianco e Nero 2006 im Museum Ritter.

 

Seit seinen frühesten Arbeiten ist Marcello Morandini dieser selbst verordneten Restriktion treu geblieben – und er zeigt bis heute, wie unerschöpflich sie doch ist. Vielleicht sollte man darin auch eher eine konzeptionelle Maxime verstehen, die Essenz seiner Arbeit aber woanders suchen. Eines seiner frühen Werke ist 56 B – 1969 aus dem Jahr 1969. Es entstand in einer Zeit, als die Op-Art eine wegweisende Zäsur in der Kunst vornahm. Hatte die Kunst und deren Rezeption bis dahin die Wirkung des Werkes auf einen mehr oder minder passiven Rezipienten vorausgesetzt, so stellte die Op-Art diese Voraussetzung grundsätzlich in Frage. Die Vertreter der Op-Art gingen davon aus, dass die Wahrnehmung des Betrachters das Werk nicht nur beeinflusst, sondern erst wesentlich konstituiert.

 

In diesem zeitlichen und künstlerischen Zusammenhang ist auch diese Arbeit Marcello Morandinis zu sehen. Es ist, wie erwähnt, eine Komposition aus Schwarz und Weiß. Der quadratische Bildgrund ist schwarz, wobei in der Mitte ein Quadrat ausgeschnitten ist, in dem die dahinter liegende Wandfläche sichtbar wird. Vom linken Bildrand aus fasst eine weiße geometrische Schraffur diesen quadratischen Ausschnitt ein. Das Quadrat des Bildträgers bewegt sich also spiralförmig auf den inneren Ausschnitt zu – und wieder zurück. Als Betrachter lässt sich dieser logische Bildaufbau formal nachvollziehen, seine innere Dynamik aber geht weit über solche Beschreibungsmuster hinaus. Die Ordnung der schwarzen und weißen Bildelemente zu verstehen, irritiert genauso wie der Versuch, das gesamte Bild optisch erfassen zu wollen. Es kippt. Es verzerrt. Es verändert die Perspektive. Aber was oder wer ist dieses „es“? Ist es das Bild, das diese Wirkung hervorruft oder ist es nicht vielmehr unsere Wahrnehmung, die all das suggeriert?

 

Marcello Morandini

1940 geboren in Mantova

Lebt und arbeitet in Varese