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Museum Ritter
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Brigitte Kowanz

ESCAPE, 2015

LED, Spiegel, Glas

60 x 60 x 60 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Ulrich Ghezzi

 

Brigitte Kowanz zählt international zu den bedeutendsten Lichtkünstlern unserer Zeit. Seit den Siebzigerjahren hat sie zahlreiche leuchtende Wand- und Bodenobjekte geschaffen sowie einige architektonische Lichtinterventionen realisiert. In ihren Arbeiten spürt sie den raumzeitlichen Qualitäten des Lichts nach und verleiht ihnen künstlerisch Gestalt. Das Medium Licht kombiniert sie dabei häufig mit Spiegeln und Sprache zu Werken von großer poetischer Ausdruckskraft. Bevorzugt verwendet die Künstlerin weißes Licht, in dem alle Lichtfarben enthalten sind. Lange Zeit arbeitete sie ausschließlich mit Neonröhren; erst seit einigen Jahren setzt Kowanz auch LEDs ein – wie in der Bodenarbeit ESCAPE.

 

Das Werk besteht aus einem einsehbaren Würfel aus Glas und Spiegel, in den ein kleinerer, verspiegelter Kubus eingestellt ist. Die fünf Sichtseiten des inneren Würfels bespielte die Künstlerin mit Morsezeichen aus Punkten und Strichen, die im Sandstrahlverfahren in die Glasoberflächen eingeschrieben wurden und dank der dahinter befindlichen Lichtquelle weiß leuchten. Sie bilden das Wort ESCAPE: ein einzelner Punkt codiert das E, drei Punkte stehen für das S, Kombinationen aus Punkten und Strichen repräsentieren die Buchstaben P, A und C. Schon seit den Neunzigerjahren bedient sich Brigitte Kowanz neben der Druck- und Schreibschrift auch des Morsealphabets, das mit nur zwei Elementen die Übermittlung von Informationen ermöglicht. Den binären Code verwendet die Künstlerin vornehmlich für stereometrisch klar und einfach konzipierte Objekte wie ESCAPE.

 

In der würfelförmigen Arbeit verschränken sich die wesentlichen Parameter von Kowanz’ Kunst – Licht, Spiegel, Schrift und Raum – zu einem besonderen Wahrnehmungserlebnis. Aufgrund der Transparenz des Materials und der Spiegelwirkung scheinen sich sämtliche Flächen des Lichtkubus perzeptuell aufzulösen, Umraum und Werk gehen optisch ineinander auf. Darüber hinaus vermitteln die sich vielfach wiederholenden Spiegelungen und Gegenspiegelungen den Eindruck eines ins Unendliche gestaffelten Tiefenraums mit unzähligen Morsezeichen. In ESCAPE geht es aber nicht nur um die Entgrenzung von Objekt und Raum, die Arbeit zeigt vor allem, dass das Licht keine Grenzen kennt: Es lässt sich nicht einfangen, es „entkommt“, ist dynamisch und expansiv. So ist Kowanz’ Würfelskulptur vor allem eine feinsinnige Reflexion über das unergründliche Wesen des Lichts, seine flüchtige Erscheinung und seine starke, immaterielle Präsenz.

 

Brigitte Kowanz

1957   geboren in Wien

Lebt und arbeitet in Wien