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Museum Ritter
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Max Bill

strahlung aus grün, 1959/66

Öl auf Leinwand

47 x 47 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer 

 

 

 

 

 

 

Max Bill

transcoloration durch helle zonen, 1972/73

Öl auf Leinwand

88 x 88 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer 

Der Schweizer Max Bill gehört zu den international bedeutendsten Vertretern der konkreten Kunst. Bekannt geworden ist er vor allem als Maler, doch hat er im Laufe seines Lebens auch etliche Plastiken geschaffen und mehrere Gebäude entworfen, darunter den Komplex der 1950 gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Daneben betätigte er sich als Lehrender an verschiedenen Hochschulen, als Publizist und Kunsttheoretiker und war jahrelang politisch aktiv.

 

Wie kaum ein anderer Künstler hat Max Bill mit seinen Werken und Schriften unsere Vorstellung von konkreter Kunst geprägt. Als Student am Bauhaus in Dessau Ende der 1920er Jahre beeindruckten ihn vornehmlich die Arbeiten eines Piet Mondrian, eines László Moholy-Nagy und anderer Konstruktivisten. 1935 griff er erstmals den von Theo van Doesburg in Abgrenzung zur abstrakten Malerei eingeführten Begriff der konkreten Kunst auf und präzisierte ihn, indem er dieser Kunstrichtung auf mathematischen Regeln und Ordnungsprinzipien basierende Prinzipien zu Grunde legte. In der Folgezeit fiel der von Max Bill vorgeschlagene wissenschaftlich-systematische Ansatz vor allem in der Schweiz auf äußerst fruchtbaren Boden: In Zürich bildeten sich die sogenannten „Zürcher Konkreten“ heraus, ein kleiner Kreis überwiegend modular und seriell arbeitender Künstlern, die ausschließlich geometrische Gemälde schufen. Neben Max Bill zählen Camille Graeser, Verena Loewensberg und Richard Paul Lohse zu den Hauptvertretern dieser Gruppe. Als prominente Gegenposition zu einer expressiv-gestischen oder informellen Malerei erfuhren die um eine möglichst objektive und rationale Kunst bemühten Zürcher Konkreten nach dem Zweiten Weltkrieg international Beachtung. Max Bill hat eine konkrete Kunstauffassung bis an sein Lebensende weiterverfolgt. Die von ihm zunächst so entschieden eingeforderten mathematischen Methoden der Form- und Bildfindung sieht er später jedoch nur noch als Teil, der innerhalb eines umfassenderen Gestaltungsprozesses notwendig ist, um konkrete Kunst zu schaffen.

 

Die beiden Ölgemälde aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter gehören zu einer 1964 begonnenen Serie des Künstlers, die ausschließlich übereck stehende Bilder umfasst. Beide Arbeiten bestechen durch eine sorgfältig durchdachte kompositorische und farbliche Ausgewogenheit. Der Aufbau der von Max Bill als „spitze Bilder“ bezeichneten Werke entwickelt sich in der Regel aus der Grundform eines Quadrats. Dies ist auch bei diesen beiden Gemälden der Fall. Sie zeigen im Bildzentrum jeweils ein Quadrat, das dem gleichseitigen rautenförmigen Bildträger exakt eingepasst ist. In ihrer strengen Statuarik bildet die zentrale Quadratform ein ausgleichendes Gegengewicht zum ungewöhnlichen Format der Leinwand.

 

Die intensive Farbwirkung von strahlung aus grün basiert vor allem auf der Verwendung reiner und einfach gemischter Farben sowie auf dem flimmernden optischen Effekt starker Kontraste: Ein Quadrat in sattem Grün beherrscht die Bildmitte. Leuchtend rote und violette Dreiecke ergänzen es entlang seiner Seiten zu einer gleichmäßig gemusterten Raute, und fast scheint es, als wären die gleichschenkligen Dreiecke aus dem zentralen Quadrat herausgeklappt worden. Ergebnis ist eine ebenso regelmäßige wie energiegeladene Komposition mit großer Signalwirkung.

Das Gemälde transcoloration durch helle zonen dagegen bezieht seinen spezifischen Reiz durch eine stärker nuancierte Farbgebung und subtilere farbliche Kontraste. Im Bildzentrum dieser Arbeit steht ein schwarzes Quadrat, das von pastellenen Farbbalken in zarten Grün- und Rosatönen gerahmt wird. Gleichschenklige Dreiecke in rötlich dunklen Mischfarben und in Schwarz nehmen die Bildecken ein. Max Bill gelingt es in dieser Komposition, Hell-Dunkel-Kontraste wirkungsvoll auszureizen. Die pastellfarbenen Balken erscheinen dabei als begrenzende Rahmung für eine Art Durchblick ins schwarze Nichts. Sowohl die sensiblen Farbkontraste als auch die gleichmäßigen Bildproportionen und Kompositionsstrukturen verleihen dem Gemälde eine ruhige, meditative Wirkung.

Max Bill

1908 geboren in Winterthur

1994 gestorben in Berlin