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Museum Ritter
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François Morellet

Triple X neonly, 2012

Ex. 2 / 5

Leuchtröhren, Transformatoren

323 x 330 x 238 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer

 

Anlässlich der Teilnahme der von ihm mitbegründeten GRAV, der Groupe de Recherche d’Art Visuel an der Biennale von Paris schuf François Morellet 1963 erstmals zwei Rauminstallationen. In der einen von ihm bespielten Raumzelle präsentierte er sein erstes Lichtkunstwerk, das aus vier quadratischen, in unterschiedlichen Takten blinkenden Neontafeln an jeder Wand bestand. Die aus diesen bildähnlichen Einheiten zusammengesetzte Installation gab Morellets jahrelange Arbeit als Maler zu erkennen und begründete zugleich seine Rolle als einer jener wegweisenden Künstler, die ab den Sechzigerjahren das Leuchtmaterial unmittelbar zur Schau stellten. Das Licht der Röhre diente Morellet nicht nur als einfaches lineares Gestaltungsmittel, sondern im Laufe seines Schaffens auch zunehmend als ein Medium, das ausgehend von mathematischen Systemen die Gegebenheiten einer Raumarchitektur definiert, überformt oder scheinbar überwindet. In dieser Hinsicht ist sein Vorgehen mit der Arbeit von US-Amerikanern wie Keith Sonnier und Dan Flavin vergleichbar, die ungefähr zur gleichen Zeit damit begannen, Lichtkunstwerke zu schaffen und auf den architektonischen Kontext auszuweiten.

 

In der Lichtinstallation Triple X neonly von 2012 zeigt sich sowohl Morellets Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Fläche und Raum als auch sein Nachdenken über das Wesen von Bildgrund und Bildelement. Der Werktitel verrät, dass seine Kunst, die den Prinzipien von Objektivität, Geometrie und System verpflichtet ist, sich gleichzeitig aus Spiel, Leichtigkeit und Chaos speist. Betrachtet man die in die Raumecke montierte Installation von vorne, sind drei sich überlagernde, blau strahlende X-Formen aus grazilen Leuchtstoffröhren zu erkennen. Dass das Werk aus nichts anderem als aus Neonröhren besteht, drückt das Kofferwort „neonly“ aus, eine humorvolle Verschmelzung von „neon“ und „only“. Die augenscheinlich plane Verkettung der identischen Kreuzformen beruht in Wirklichkeit auf der Verbindung der zwei X-Elemente auf den Wänden mit einem über Eck gestellten Element. Mit diesem Übergang von der Fläche in den Raum befreit sich die Lichtzeichnung von ihrem Träger und dringt als körperhaftes Objekt in den realen Raum ein. So löst sich die ideal geordnete, dynamisch pulsierende Einheit aus Bild, Objekt, Wand und Architektur in dem Moment auf, in dem der Betrachter seinen idealen Standort verlässt. Das strikte Ordnungssystem gerät dann ins Wanken, die symmetrischen Formen werden verzerrt und lösen sich im Chaos auf oder – anders ausgedrückt – sie fügen sich den veränderten Perspektiven folgend zu einer Vielzahl neuer, ungeahnter Konstellationen. 

 

François Morellet

1926 geboren in Cholet (FR)

2016 gestorben in Cholet