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Museum Ritter
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Vera Molnar

9 carrés dispersés par le vent du large, 1999/2001

Acryl auf Leinwand, 4 Teile

200 x 200 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer

Das Werk von Vera Molnar gehört mit zum Originärsten und Originellsten, was die geometrische Abstraktion in Europa bisher hervorgebracht hat. Nicht nur gehört die Künstlerin zu denen, die beständig neue Wege beschreiten – so war sie eine der ersten, die den Computer für die künstlerische Arbeit einsetzten – sondern sie ist eine der wenigen, welche die rationalen Prinzipien geometrischer Kunst derart durchdrungen haben, dass sie auf diese auch wieder verzichten können.

 

„Kunst ist ein Fehler im System“ – diese Äußerung Paul Klees ist eines der geschätzten Mottos von Vera Molnar, und Arbeiten wie 9 carrés dispersés par le vent du large zeigen, dass man diesen Fehler nur umsetzen kann, wenn man das System auch beherrscht. Neun leuchtend rote Quadrate mit einer Kantenlänge von 50 cm verteilen sich in einer losen Diagonale auf vier weiße quadratische Leinwände mit einer Kantenlänge von 100 cm, die wiederum zu einem größeren Quadrat von 200 cm Kantenlänge zusammengefügt sind. Setzt man die Seitenlänge eines der roten Quadrate als das Grundmodul mit dem Wert 1, so ergeben sich als Beschreibung des gesamten Bildes die Zweierpotenzen von 1, 2, 3, 4 als die bestimmenden Faktoren der jeweils umschriebenen Flächen. Aber wie schon der Titel andeutet, der mit „9 Quadrate, vom Seewind zerstoben“ übersetzt werden kann, ist die Kunst in diesem Bild, dass die saubere, auf Zahlen basierte Ordnung gestört ist. Denn während die Auswahl der Elemente nach strengen Regeln erfolgte, ist die Verteilung der roten Quadrate zufällig. Der Eindruck von Unordnung wird dabei noch verstärkt, indem da, wo sich die roten Flächen schneiden, die Farbe abgetönt ist und sich Drei- und Vierecke bilden, welche die Quadratseligkeit entschieden stören. Dass diese Unordnung nun nicht wiederum in Chaos umschlägt, sondern mit der Anfangsordnung eine prekäre Balance hält, das ist das entscheidende Moment dieses Bildes, um das sich Molnars gesamtes künstlerisches Schaffen dreht.

 

Vera Molnar gibt zu, dass ihr Weg zur Akzeptanz solcher Zufallskompositionen sehr lange war. Ausgehend vom unbedingten Glauben an die Systematik der Kunst, betrieb sie jahrzehntelange künstlerische Forschungen zur Organisation des Bildes und entdeckte dabei mithilfe des Computers, dass die rationalen Gesetze der Geometrie und Mathematik keine hinreichende Grundlage für die künstlerische Arbeit sein können, dass die Schönheit einer geometrischen Komposition außerhalb der Geometrie liegt. Worin diese dann aber liegt und ob es überhaupt möglich sein wird, dies zu bestimmen, das werden ihre zukünftigen Forschungen zeigen.

 

Vera Molnar

1924 geboren in Budapest

Lebt und arbeitet in Paris