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Germaine Kruip

Counter Movement, 2013

Motor, Glasfaser, verspiegeltes Aluminium, Edelstahl

80 x 80 x 80 cm

Foto: Nick Evans

 

Als Szenografin kommt die niederländische Künstlerin Germaine Kruip ursprünglich vom Tanz und Theater. Dementsprechend spielen Licht, Raum und Bewegung sowie die Interaktion mit dem Publikum auch in ihrer bildkünstlerischen Arbeit eine entscheidende Rolle. Die geometrischen Formen, die sie vorwiegend in Weiß, Schwarz und in Spiegeloberflächen anlegt, sind dabei bewusste Anspielungen auf die gestalterischen Konzepte der Künstlergruppe De Stijl um Theo van Doesburg und Piet Mondrian. Im Unterschied aber zu den Objekten, Gemälden oder Möbelstücken, die die Vertreter einer strengen geometrischen Abstraktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen haben, verändern die beweglichen Arbeiten von Germaine Kruip stetig ihre Gestalt.

 

Bei dem Werk Counter Movement rotieren rückseitig verspiegelte, weiße und schwarze Flächensegmente, die zwei Hälften eines eingefalteten, diagonal durchgeschnittenen Hohlkubus ähneln, zueinander gegenläufig um die eigene Achse. In manchen Momenten ergibt sich für den Betrachter der Eindruck, es mit einer Art zweifarbigem Würfel zu tun zu haben, in anderen hingegen wird deutlich, dass es sich hier doch um farbbeschichtete dünnwandige Flächenformen handelt. Die durch die Bewegung ohnehin kaum mögliche Fixierung eines einzelnen Zustandes wird zusätzlich dadurch erschwert, dass in den verspiegelten Segmenten nicht nur die jeweils gegenüberliegenden schwarzen und weißen Flächen reflektiert werden, sondern ebenso der Umraum und partiell der sich dem Werk annähernde Betrachter. Diese ästhetischen Interventionen, die die Künstlerin in einem auch als Bühne aufgefassten Ausstellungsraum vornimmt, erzeugen in ihrem fortlaufenden Wechsel von zweidimensionaler Flächigkeit und imaginierter Körperlichkeit, von dinglicher Materialität einerseits und momenthaft illusionistischen Teilräumen andererseits ein Raum-Zeit-Kontinuum, das – den physikalischen Forschungen der Relativitätstheorie vergleichbar – über die Existenz bloß dreier Dimensionen hinausgeht. 

 

An anderer Stelle greift Germaine Kruip die Idee eines selbstbezogenen Tanzes auf, indem sie auf Kunstmessen und in Museen Aktionen mit einzelnen Sufi-Tänzern realisiert und damit gewissermaßen den Bogen zurück zur Bühne schlägt. Ohne die einschlägige Bekleidung und Musikbegleitung verrichtet der Derwisch hierbei jedoch keinerlei religiöse Übung, sondern präsentiert eine Performance, die sich – wie die Arbeit Counter Movement – aus der Wiederholung der Bewegung und immer neuen, leicht abgewandelten Variationen derselben speist.

 

Germaine Kruip

1970 geboren in Castricum (NL)

Lebt und arbeitet in Brüssel und Amsterdam