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Leon Polk Smith

Diagonal Passage, 1947

Öl auf Leinwand

Ø 147 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer

 

Als Leon Polk Smith 1936 für ein Aufbaustudium als Kunsterzieher nach New York kam, begegnete er in der Albert E. Gallatin Gallery of Living Art erstmals Werken von Piet Mondrian, Constantin Brancusi und Hans Arp. Die Entdeckung der europäischen Moderne und insbesondere des niederländischen Neoplastizismus sollte für den angehenden Künstler folgenreich sein, auch wenn er seine figurative Malerei zunächst bis 1940 weiterverfolgte. Mit der Stadt New York blieb der Künstler zeit seines Lebens eng verbunden; hier sog er die aktuellen Tendenzen in der Kunst auf und arbeitete für Hilla Rebay, die sich als Direktorin des Museum of Non-Objective Painting, dem späteren Guggenheim Museum, für die Kunst der europäischen Avantgarden einsetzte. Smith pflegte auch regen Austausch mit seinen Künstlerkollegen, ohne sich allerdings Initiativen wie der 1936 gegründeten Vereinigung der American Abstract Artists anzuschließen.

 

Das Bild Diagonal Passage ist Ausdruck von Smiths kontinuierlicher Auseinandersetzung mit der Kunst von De Stijl während der Vierzigerjahre. Obwohl er die theoretischen Grundsätze Piet Mondrians für sein eigenes Schaffen ablehnte, kommen in diesem Gemälde die Gestaltungsprinzipien des Neoplastizismus in mehrfacher Hinsicht offen zum Tragen. Mit der Wahl des kreisrunden Bildformats setzt sich Leon Polk Smith zwar dezidiert von seinen künstlerischen Vorläufern ab, doch waren ihm sicherlich die Bilder des mit Mondrian befreundeten Schweizer Malers Fritz Glarner bekannt, der zeitgleich in New York an einer Werkgruppe arbeitete, die die Tondo-Form mit konstruktiven Elementen verknüpfte. Auch das Bild von Leon Polk Smith wird von einem orthogonalen Gefüge und einer Kombination der drei Primärfarben mit Schwarz und Weiß bestimmt. Anders als die stets expansiv angelegten Bilder des sieben Jahre älteren Glarner unterstreicht das Werk von Smith die hermetische Wirkung der Kreisfläche, in deren Mitte ein großes, schwarz umrandetes Quadrat platziert ist. Die Anordnung der blauen und gelben Farbfelder entlang einer imaginären Diagonalachse hingegen und die asymmetrische Verteilung des Rottons tragen zu einer gewissen Auflockerung der geschlossenen Einheit von Kreis und Quadrat bei.

 

Leon Polk Smiths spezifische Adaption des Neoplastizismus kann mit dem kulturellen Umfeld in Verbindung gebracht werden, das den von den Cherokee abstammenden Künstler ohne Zweifel prägte. Die Betonung des Bildzentrums sowie das ausgeprägte Verhältnis zwischen den schwarzen Elementen und den weißen Partien ähneln den markanten Mustern auf indianischem Kunsthandwerk.

 

1906 geboren in Chickasha, Indianerterritorium, heute Oklahoma

1996 gestorben in New York