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Museum Ritter
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Rudolf Jahns

Komposition (Konstr.), 1924

Aquarell auf Fabriano-Bütten

23,5 x 18 cm

© VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Foto: Gerhard Sauer

 

Der Autodidakt Rudolf Jahns zählt zu den Pionieren des deutschen Konstruktivismus. Innerhalb dieses Gebietes wird er aber auch gerne als dessen Poet bezeichnet, weil sein Werk stets um Harmonie der Erscheinung und Musikalität der Form bemüht war und für ihn die Kunst ein Mittel darstellte, Farbe, Licht und das persönliche Naturerlebnis mittels konstruktiver Abstraktion in eine sublimierte Form zu gießen.

 

Das kleine Aquarell Komposition (Konstr.) stammt aus dem Jahr 1924, als sich Jahns’ Stilentwicklung nach längeren Experimenten mit verschiedenen Modi der Abstraktion einen eigenständigen Weg gebahnt hatte. Das hochformatige Blatt ist vollständig mit einer kleinteiligen Komposition unterschiedlicher farbiger Rechtecke und Quadrate ausgefüllt, die sich an ihren Rändern überlagern und so eine durch Schichtung gebildete, verhaltene Räumlichkeit ausformen. Farblich dominieren zarte und gebrochene Grün- und Blautöne, die an manchen Stellen ins Braun gehen. In diese erdige, Natur suggerierende Grundfarbigkeit setzte der Künstler einige wenige farbige Akzente: ein rotes Quadrat, ein kräftig blaues Rechteck, zwei gelbe und zwei orangefarbene Rechtecke und einige blassrosafarbene Flächen. Am auffälligsten ist dabei das rote Quadrat in der oberen Bildmitte, welches das Zentrum der Komposition markiert, um das sich nach unten hin auch die anderen Farbakzente gruppieren. Die wenigen Flächen in kräftigeren Farben sind dabei fein aufeinander abgestimmt, so dass keine aus dem Gefüge ausbricht, sondern sich zusammen mit den anderen und den sie umgebenden Grün- und Blautönen zu einem harmonischen, aber lebendigen Gesamteindruck verbindet.

 

Die Schwierigkeit bei der Betrachtung einer solchen Komposition liegt darin, dass sie so selbstverständlich dasteht und man sich kaum darüber im Klaren ist, wie viel konzentrierte Arbeit in deren Verfertigung fließen muss. Denn neben einer sorgfältigen Planung der Komposition braucht es vor allem ein großes Gespür für das Gleichgewicht der Elemente, was man nur bedingt erlernen und damit benennen kann. Aber selbst ein beiläufiger Betrachter wird nicht umhin können, diesem Bild einen bestimmten Stimmungswert zuzuschreiben, der entfernt etwas mit Landschaft und Natur und dem Licht einer bestimmten Tageszeit zu tun haben könnte. Und es ist genau diese Stimmungsqualität der Arbeiten von Rudolf Jahns, die ihm das Etikett des Poeten einbrachte, weil ihm das Rechteck nicht nur eine Form war, die mit anderen Formen in Beziehung steht, sondern der Ausdruck einer Grunderfahrung seines Lebens in der Welt.

 

Rudolf Jahns

1896 geboren in Wolfenbüttel

1983 gestorben in Holzminden