Timm Ulrichs
Die Quadratur des Kreises, 1987/2010

(rotierende Plastik aus Edelstahl) 
©VG Bild-Kunst, Bonn 2015

1940   geboren in Berlin  
Timm Ulrichs lebt und arbeitet in Hannover, Münster und Berlin


Nähert man sich als Besucher dem Museum und schreitet durch die Gebäudepassage, die den optischen Rahmen um das malerische Aichtal bildet, fällt der Blick auf eine Plastik, die auf der verlängerten Mittelachse im Grünen steht. Die Arbeit entstand 2010 im Rahmen der Ausstellung "Timm Ulrichs: Blick zurück nach vorn" und ist eine Variante des kleineren Multiples, das Teil der Sammlung ist.
Zu sehen ist eine rote Stahlplastik, die sich aus Betrachtersicht kontinuierlich von einem Quadrat in einen Kreis verwandelt und dabei auch Zwischenformen durchläuft. Es scheint, Timm Ulrichs habe hier die "Quadratur des Kreises" künstlerisch umgesetzt. „Die Quadratur des Kreises“ referiert auf das jahrhundertealte Problem der Geometrie, aus einem Kreis ein Quadrat gleichen Flächeninhaltes zu konstruieren. Zugleich haben wir es hier mit einer altbekannten Redewendung zu tun, die eine unlösbare oder mindestens sehr schwierige Aufgabe metaphorisch umschreibt. Insofern könnte man sagen, Timm Ulrichs habe das Unmögliche durch die Dynamisierung seiner Konstruktion künstlerisch möglich gemacht.
 
Sprache ist der konzeptionelle Ausgangspunkt für diese Arbeit. Sie wird in Form einer sichtbar gemachten Redewendung in eine Plastik überführt. Der mathematischen Frage wird mit einer künstlerischen Lösung begegnet. Nicht zuletzt mutiert hier - je nach Betrachterstandpunkt - eine dreidimensionale Plastik optisch zu einer zweidimensionalen, der Landschaft schwebenden Zeichnung.
 
Mit ihrem Platz auf der Ostseite des Museumsgebäudes markiert Timm Ulrichs „Quadratur des Kreises“ die Verlängerung der Passage in Richtung Natur. Sie kündigt dem Besucher zugleich die inneren Prozesse des Hauses an, die sich rund um das Quadrat drehen.