Ilja Tschaschnik,
Suprematistische Komposition, ca. 1922–24

Collage auf Karton
35 x 26,3 cm

 

Ilja Tschaschnik gilt als eine der zentralen Figuren des Suprematismus der zweiten Generation und hat trotz seines kurzen Lebens einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung der russischen Avantgarde in den Bereichen Kunst, Design und Architektur geleistet. Er studierte ab 1919 an der Kunstschule in Witebsk bei Malewitsch. Dort engagierte er sich in der um seinen Lehrer gebildeten Gruppe UNOVIS ("Verfechter der neuen Kunst") – gemeinsam mit El Lissitzky, der an derselben Schule lehrte, sowie Nikolaj Suetin – für die Verbreitung der suprematistischen Ideen im praktischen gesellschaftlichen Leben. Ilja Tschaschnik schuf Entwürfe für Porzellangeschirr, Textilien, engagierte sich im Bereich der Buch- und Plakatgestaltung und gestaltete utopische Architekturprojekte.
Die „Suprematistische Komposition“ entstand zu einer Zeit, als Ilja Tschaschnik als wissenschaftlicher Mitarbeiter Malewitschs am Staatlichen Institut für Künstlerische Kultur in Sankt Petersburg tätig war. Das Relief setzt sich aus schräg in eine Richtung verlaufenden Streifen aus rotem, weißem, schwarzem und gelblichem Karton zusammen, beidseitig flankiert von schwarzen Flächen. Es existieren weitere ähnliche Arbeiten gleichen Titels, wobei die seitlichen Ebenen auch weiß oder rot sein können. Indem die unterschiedlich langen und breiten Streifen über den Bildrand hinausweisen, suggerieren sie eine Dynamik, wie man sie zum Beispiel beim Blick von oben auf eine stark befahrene Straße wahrnimmt. Das Relief ist ein Beispiel dafür, wie Tschaschnik den Suprematismus weiterentwickelt sehen wollte. Nach Überwindung der ersten Stufe, der "schwarzen" Periode des Suprematismus, sollten dabei nicht nur einzelne Formen, sondern eine ganze Reihe von Formen zueinander in einen dynamischen Zustand gesetzt werden.
 

 

 



1902 geboren in Ljuzi/Lettland  
1929 gestorben Leningrad