Atanasio Soldati
Composizione, 1936

Öl auf Leinwand auf Holz, 34 x 49,5 cm


Atanasio Soldati, 1896 in Parma geboren, war in den 1930er Jahren eine der zentralen Gestalten der abstrakten Kunst in Italien, war er doch der erste abstrakt malende Künstler überhaupt, dem in seiner Heimat eine Einzelausstellung gewidmet wurde. Nach einem Studium der Architektur verschreibt er sich Anfang der zwanziger Jahre der Malerei und entwickelt zunächst einen streng geometrischen Malstil, der die Einflüsse Piet Mondrians erkennen lässt. Ab den dreißiger Jahren nähert er sich der Pittura Metafisica nach dem Vorbild Giorgio de Chiricos an. Sind in den Werken Soldatis in diesen Jahren immer wieder Elemente von eindeutig gegenstandsbezogenem Charakter zu finden, wird die Stilisierung und Abstrahierung in der Folgezeit weiter vorangetrieben. Es entstehen schließlich Kompositionen, aus denen Häuser, Menschen und Bäume zugunsten geometrischer Formen wie Quadrat, Dreieck und Rechteck eliminiert sind. Nach einer erneuten Auseinandersetzung mit den Formprinzipien von De Stijl und des Kubismus sowie mit dem Werk von Wassily Kandinsky, Paul Klee und Juan Miró treten in den vierziger Jahren ondulierende, lyrische Elemente neben einem streng orthogonalen Formenvokabular in seinen Bildern auf. Soldati ist in seiner Malerei bestrebt, Abstraktion und Metaphysik in einer Synthese zu versöhnen.

In der hier vorgestellten „Composizione“ von 1936 bedient sich Soldati des konstruktivistischen Formenvokabulars wie Linie, Form und Farbe. Plakativ und ohne Tiefenwirkung gemalt, entwickelt er eine auf die Fläche bezogene Komposition. Das Querformat ist in drei Farbflächen unterteilt. Ein graublaues Rechteck erstreckt sich am unteren Bildrand über die gesamte Breite. Die Fläche darüber ist in zwei Quadrate unterteilt, links ist sie in einem erdigen Braunton gehalten, rechts in Schwarz, mit Spuren eines dunklen Grün versetzt. Den quadratischen Flächen sind drei Balken in zartem Rosa vorgeblendet, deren vertikale Ausrichtung einen Kontrapunkt zur Horizontalen am unteren Bildrand bildet. Kleinere geometrische Formen in Schwarz, Weiß, Olivgrün, Ocker sowie Blau und Rot sind darauf platziert, sie fügen sich aneinander, überlagern sich oder sind einander diametral entgegengesetzt. Der Akzent liegt dabei auf dem mittleren Balken, der gleichzeitig die Mittelachse und das formale Zentrum der Komposition markiert, um das die anderen Elemente in ausgewogener Balance von Form und Farbe gruppiert sind. Zwei leiterähnliche Gebilde, die im Raum zu schweben scheinen, erzeugen mit ihren Diagonalen einen Moment der Dynamik in der ansonsten statischen Komposition.

 


1896 geboren in Parma  
1953 gestorben in Parma