Piero Dorazio
Urania, 1965

Öl auf Leinwand
197 x 148 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015 

 

 

 

1927   geboren in Rom  
2005   gestorben in Perugia 


Der italienische Maler, Grafiker, Bildhauer, Kunstdozent und Publizist Piero Dorazio gilt als einer der führenden Vertreter der konkreten Farbmalerei und Wegbereiter der Abstraktion in Italien. Er studiert zunächst Architektur, wendet sich jedoch nach dem Zweiten Weltkrieg der Malerei zu. Nach einer frühen realistischen Phase im Stil des Sozialistischen Realismus entwickelt sich sein künstlerisches Schaffen in intensiver Auseinandersetzung und im Austausch mit der Avantgarde und den Stilströmungen seiner Zeit. 1947 gehört er zu den Unterzeichnern des "Manifesto del Formalismo" und zu den Mitbegründern des "Gruppo Forma 1", einer Vereinigung von Künstlern, die sich als Gegenbewegung zum Sozialistischen Realismus und dem Provinzialismus in der italienischen Kunst formiert und sich für die Verbreitung abstrakter Kunst stark macht. Von Anfang an gilt das Interesse Dorazios den Phänomenen und den optischen Wirkungsmechanismen von Licht und Farbe. Befreit von allen symbolischen Implikationen werden Licht und Farbe zu struktur- und raumbildenden Elementen und zu fundamentalen Raumwerten schlechthin.
In den 1960er Jahren entstehen seine ersten, aus Farbbändern aufgebauten Kompositionen. Striche, Linien, Felder, Flecken und Flächen, die sich überlagern, verweben oder zu ornamentalen Strukturen verbinden, entwickelt er zu seinem charakteristischen Formvokabular. Primärfarben, zuweilen durch Sekundär- oder Komplementärfarben erweitert, gehören zu seiner bevorzugten Farbpalette. Die hier vorgestellte Arbeit „Urania“ stammt aus dem Jahr 1965 und gehört angesichts ihrer Disposition zu den einfacher strukturierten Werken des Künstlers. Vor monochrom blauem Fond erstreckt sich ein grobes Gitter aus farbigen Streifen über nahezu die gesamte Bildfläche. Kalte und warme Farben von Orange bis Türkisblau sind zu sehen. Lediglich ein einzelner roter Streifen durchbricht die regelmäßige Ordnung und steigt von der Mitte des unteren Bildrandes diagonal zur rechten oberen Bildecke empor. Durch den Wechsel von Primär-, Sekundär- und Komplementärfarben entsteht eine intensive Leuchtkraft, die durch die weißen Streifen verstärkt wird. Vertikale und horizontale Streifen kreuzen sich in lichthafter Transparenz und suggerieren durch das optische Spiel mit vorne und hinten eine Räumlichkeit von unbestimmbarer Tiefe.