Reto Boller
S-05.7, 2005

Silikon, Aluminium, Holz, Acrylfarbe
150 x 200 x 4 cm

Der simple Aufbau dieses Werks von Reto Boller in vier Schichten hat etwas eigentümlich Ungewolltes und Gebasteltes, als wäre jede weitere Schicht nur der Versuch, das Vorangegangene mit den gerade zur Hand stehenden, aber etwas unzureichenden Materialien zu korrigieren, etwas Unabsichtlichem den Anstrich des Absichtlichen zu verpassen, um dabei nur weitere Unstimmigkeiten zu produzieren, bei denen der Künstler dann irgendwann das Handtuch wirft und die Arbeit, so wie sie ist, als fertig aus dem Atelier entlässt. Irgendwann werden sich die Betrachter schon mit der etwas gewagten Farbzusammenstellung abfinden und das Ganze in ihren ästhetischen Raster einpassen. Damit demonstriert dieses Werk aber auch exemplarisch, wie der künstlerische Prozess eigentlich funktioniert, da er immer schon ein Schwanken zwischen Absicht und tatsächlichem Ergebnis, Ordnung und deren Zerstörung, Schlüssigkeit und Imponderabilität, Kontrolle und deren Verlust war. Darin zeigt sich Reto Boller als Vertreter einer neuen Generation nicht-gegenständlicher Künstler, die in der Folge von Neo-Geo der geometrischen Abstraktion neues Leben einhauchen, indem sie den abgezirkelten Weg der Vätergeneration und deren schon an Fetischismus grenzende Präzisionswut verlassen und nicht nur neue Materialien wie Gummi, Klebebänder oder Abfallmaterialien einführen, sondern auch einen freien, bis hin zu mutig schmuddeligen Umgang mit diesen pflegen. Das Bastelartige, Improvisierte und Nichtkonforme ist dabei ein durchgehendes Kennzeichen, so auch, wenn Boller zum Beispiel Äste in Gummischläuche drückt, Metallplatten unsauber aussägt oder knotige Gebilde in Eisen gießt und feucht-glänzend lackiert. Das Ergebnis ist dabei immer verblüffend, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Gewagtheit des miteinander Kombinierten, sondern auch in seinem ästhetisch aufreizenden Charakter, der einem violetten Gummifleck auf zwei geometrischen Platten und einem roten Streifen einen unmittelbaren Spaß verleiht.

 

1966 geboren in Zürich
lebt und arbeitet in Stuttgart