Peter Weber
Vernetzung F6RT, 2008

roter Filz 88 x 87 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Die Rede von der „verkörperten Fläche“ klingt per se wie ein Widerspruch in sich. Und trotzdem: Wenn man Peter Weber sehr bedacht und präzise über seine künstlerische Arbeit sprechen hört, fällt immer wieder dieser Begriff. Es scheint, als wolle er uns damit hinters Licht führen. Und das tut er auch tatsächlich. Weniger durch seine Rede, sondern weit mehr durch seine künstlerische Arbeit selbst. Das geschieht auch in dem Werk „Vernetzung F6RT“ aus dem Jahr 2008. Die Arbeit besteht aus rotem Filz. Die Sachlage erscheint auf den ersten Blick sehr klar: Sechs horizontale und vertikale Filzstreifen bilden ein orthogonales Geflecht, das insgesamt eine quadratische Form annimmt. Der Filz bäumt sich auf und lässt runde Kanten entstehen, an denen sich das Geflecht nicht gänzlich schließt, sondern kleine, wiederum quadratische Öffnungen preisgibt. Das daraus entstehende „Bild“ wirkt wie ein Relief, wunderbar anzusehen und fast darauf aus, berührt werden zu wollen.
So klar und stringent der Rhythmus und der Aufbau dieser Arbeit auch sein mag, sie gibt erst auf den zweiten Blick zu erkennen, wie es dazu kam. So wird an den Rändern deutlich, dass es sich bei dem gesamten Flechtwerk nicht um einzelne Streifen handelt, sondern um ein einziges, durchgehendes Stück Filz. Kein Schnitt durchtrennt dieses Stück. Die Streifen und deren Überlagerungen, die wir zu sehen meinen, entstehen einzig durch Faltung und Torsion. Die Flechtung ist also lediglich eine Scheinflechtung.

 

   
1944 geboren in Kollmar
lebt und arbeitet bei München