Michael Reiter (*1952)
Spinne, pink, 2009

Drachenstoff, genäht, Bambus
55 x 52 x 50 cm
16-teilig, unterschiedliche Maße


Reine Handarbeit ist die „Spinne“ von Michael Reiter: den Pink leuchtenden Stoffwürfel nähte er selbst zusammen und spannte ihn an seinen Ecken mit Bändern an vier langen Bambusstäben zu einer raumgreifenden, orbitalen Konstruktion auf. So wie langbeinige Spinnentiere mühelos Wände hoch krabbeln, scheint auch diese Arbeit von Michael Reiter mit schwebender Eleganz die Schwerkraft zu überwinden. Sie lebt von den Zug- und Biegespannung zwischen den elastischen Bambusbögen und den gestreckte Bändern, die den grellen Körper stramm in ihrer Mitte halten.  
 
Die „Spinne“ gehört zu einer Werkreihe, die den Konstruktionsentwurf – auch in Überlebensgröße – mit Quadern und anderen, oft grellleuchtenden Farben und Stoffen variiert. Michael Reiter wandte sich erst nach langjähriger Tätigkeit als Maler der Arbeit im Raum zu: Das Vordringen in die dritte Dimension entwickelte er aus der manuellen Vorbereitung der Leinwand, die das exakte Zusammenbauen des Keilrahmens und das sorgsame Bespannen mit dem Stoff erfordert. Seitdem arbeitet der Künstler mit bunten Stoffbändern, die er mit Nägeln in Räume spannt oder zu geometrischen Wandobjekten aufzieht.

Aus diesem Interesse für Spannung, Raum und farblicher Akzentsetzung entsteht seit 2006 die Werkgruppe der „Spinnen“. Die konstruktivistische Klarheit des organisierten Kräftesystems und die Ökonomie des Materials erzeugen eine neue Leichtigkeit und Luftigkeit, die es erlauben, die stereometrischen Körper flexibel an die Wand zu montieren oder auf dem Boden ausbalancieren zu lassen.

 

1952 geboren in München
lebt und arbeitet in Frankfurt am Main