Thomas Rentmeister
Eisenschokolade, 2012

Eisen
100 x 100 x 13,8 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Anlässlich dieser Ausstellung zur Schokolade in der Kunst konnte Thomas Rentmeister die seit längerem gehegte Idee realisieren, eine Ritter Sport-Tafel ins Großformat zu übertragen. Er verwendete hierfür jedoch nicht etwa Schokolade selbst, wie man angesichts seiner Arbeiten mit Nougatcreme und Zucker vermuten könnte, sondern das Verfahren des Eisengusses. Die Arbeit mit dem Titel Eisenschokolade birgt in ihrem Material sowie in ihrer mimetischen Erscheinung tatsächlich neue Aspekte im Schaffen des Künstlers. Das Werk basiert nichtsdestotrotz auf einem konsequenten bildhauerischen Handeln, das die Prinzipien der Minimal Art konterkariert und neu formuliert. Denn wenn die "specific objects" von Donald Judd darauf abzielen, jegliche Illusion zu tilgen und das Dargestellte mit der Darstellung zu einem hermetischen Ganzen zu verschmelzen, macht gerade dieses offene Wechselspiel zwischen der Faktizität eines Werkstoffs und den Assoziationsräumen jenseits der reinen Form die Arbeit von Rentmeister aus. Es kann deshalb als humorvolle Volte gegenüber der Selbstreferenzialität der Minimal Art gesehen werden, wenn die Ästhetik der elementaren Geometrie, diese Addition immergleicher Polyeder, von einem Lust weckenden Konsumartikel wie der Schokoladentafel herrührt, deren Form aus Zweckbestimmung und Produktionsökonomie resultierte. An der Eisenschokolade würde man sich jedoch die Zähne ausbeißen, sie erzeugt keinen Automatismus des Verlangens. Denn der Rückgriff auf das in der Bauindustrie verbreitete Metall impliziert bei Rentmeister auch das Wissen um dessen chemische und physikalische Eigenschaften: So tritt die matt-raue Oberflächenästhetik der Arbeit hervor, aber auch das Bewusstsein um Oxidationsprozesse. Und so blockhaft-hart und erdenschwer die Arbeit den Boden besetzt, ist man vielleicht an eine Pyramidenlandschaft erinnert.

 


1964 geboren in Reken / Westfalen   
lebt und arbeitet in Berlin