Matti Kujasalo
Ohne Titel, 1999/2000

Acryl auf Leinwand
Ø 141 cm

 

 

 

1946 geboren in Helsinki
lebt und arbeitet in Helsinki

 

Niemals an reiner Op-Art interessiert, fand der finnische Künstler Matti Kujasalo seit Mitte der 1970er Jahre zu seinem persönlichen Stil, dessen wesentliches Element die kurze Gerade darstellt. Seriell in horizontaler, vertikaler und auch diagonaler Ausrichtung auf der Bildfläche angeordnet, entstehen seit den 1990er Jahren hauptsächlich farblich reduzierte Arbeiten in schwarz-grau-weiß Kontrasten.

Auch die unbetitelte Arbeit von 1999/2000 in kreisrundem Format wirkt durch diesen starken farblichen Gegensatz sowie durch die Vernetzung zahlreicher Quadrate, die sich aus waagrecht und senkrecht sich kreuzenden Strichen formieren. Diese die gesamte Bildfläche überziehenden, flimmernden Gruppierungen lassen den Blick des Betrachters auf der Bildfläche umherirren, welche sich mit ihrer Kreisform außerdem einer herkömmlichen Leserichtung des Bildes entzieht. Allerdings geht es hierbei weniger um die Stimulation des Auges, als vielmehr um die Konstruktion einer Gesamtfläche mittels verschiedener kombinatorischer Einheiten: wie etwa der Knotenpunkt zwischen zahlreichen weißen Strichformationen und der schwarze Balken, der einige Quadrate umrahmt und damit von anderen Gruppierungen trennt. Die weißen Lineaturen sind allerdings keine positiven Malspuren, sondern negative Abdrücke Tausender Klebestreifen. Diese werden einem festgelegten Konzept folgend auf die weiß grundierte Leinwand geklebt, mit schwarzer Acrylfarbe übermalt und nach dem Trocknungsprozess wieder abgezogen. Im Vorfeld werden die Elemente einer Konstruktion mal mit dem Würfelbecher, mal mit der Fibonacci-Zahlenfolge berechnet. Die endgültige Wirkung einer Arbeit bleibt aber auch für Kujasalo jedesmal eine Überraschung.  
 
Beeindruckt von amerikanischen Abstrakten wie Ad Reinhardt oder Josef Albers, deren Arbeiten der finnische Künstler bei USA-Aufenthalten 1967 und 1970 kennenlernt, beginnt er anschließend mit Acryl und Klebeband streng logische Seriengemälde zu schaffen. Die daraus resultierenden Erkenntnisse setzt er ab 1978 auch in dreidimensionalen Arbeiten um. Die Malerei bleibt für ihn allerdings die idealere Variante, einen abstrakten Gedanken zu veranschaulichen, da die dritte Dimension die Verkörperung einer Illusion eher behindern würde, so der Künstler in einem Interview. In der Kombination nun der kreisrunden Formate mit den schwarz-weißen Modulverbindungen entwirft Kujasalo eine abstrakte Verbildlichung aktueller Phänomene wie globaler Vernetzung, deren geheimer Ordnung der Betrachter auf der Bildfläche nachzuspüren sucht.