Günther Uecker
Rot kommt vor, 2009

Nägel und Farbe auf Leinwand auf Holz
60 x 60 x 8 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Günter Uecker arbeitet mit Hammer und Nagel – auch das vorliegende Werk stellte er in seiner bevorzugten Vorgehensweise her. In Reih und Glied ragen lange, spitze Nägel senkrecht aus dem Holzträger heraus. Sie markieren die Schnittpunkte eines imaginären Gitterquadrats. Seit Mitte der 1950er Jahre verwandelt Uecker mit Nägeln das traditionelle Tafelbild in Materialobjekte. Er schafft es dabei, seine gestalterischen Mittel voll auszuschöpfen und sowohl lichtmodulierende Strukturfelder als auch oberflächendynamische Effekte zu erzeugen. 
 
Durch die Addition der Nägel entsteht eine repetitive Struktur, die sich in dem leuchtendroten Schriftzug „Rot kommt vor Rot kommt vor Rot“ widerspiegelt: An das Wort „Rot“ reiht sich also das nächste „Rot“. Der Satz könnte gleichzeitig als sachliche Anleitung verstanden werden, derzufolge nach der Farbe „Rot“ das nächste Rot aufzutragen ist.
Die Lesart „Rot kommt vor“ verweist andererseits nüchtern auf die Materialität der Arbeit: So wie die Farbe Rot vorkommt, sind auch eine unbehandelte Leinwand und 11x11 Nägel zu sehen.

Anders als sonst üblich bei Günter Uecker sind in diesem Werk die Nägel rückseitig durch den Holzträger hindurchgeschlagen und „verletzen“ so die Leinwand. Wie Pfeilspitzen ragen sie aus dem Bild heraus und sind gegen den Betrachter gerichtet. Gesteigert wird der aggressive Charakter des Werkes durch das Assoziationspotential der Farbe, die an Gefahr, Bedrohung und Zorn, gar Blut und Tod denken lässt.
Die vom Künstler so häufig verwendeten Nägel lassen in diesem Kontext sogar an die Leidenswerkzeuge Jesu denken, und könnten als Zeichen der Passion und der Erlösung gelesen werden.

 



1930 geboren in Wendorf (Mecklenburg)  
lebt und arbeitet in Düsseldorf