Bernhard Sandfort
Sechzehn und eine Farbe, 1990

Öl auf säurefreiem Karton auf Sperrholz
sechzehnteilig
308 x 308 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

In Bernhard Sandforts mehrteiligem Bildwerk scheint es weder Anfang noch Ende zu geben. Kein Zentrum, Oben und Unten, Rechts und Links lassen sich lediglich anhand der äußeren sowie inneren Begrenzung von Bildwerk und einzelnen Bildttafeln ordnen. Farbstreifen liegen wie Mikadostäbe über- und untereinander, sie dominieren die Fläche und durchdringen den Raum. „Im quadratischen Netzwerk des Farbenfeldes bilden unregelmäßige Vielecke ein Geflecht scheinbarer Räumlichkeit, Zusammenhänge im Zusammenwirken von Gesetzmäßigkeit, Regel und Zufall“, so Bernhard Sandfort. Dieses Zusammenwirken ist das Resultat einer zutiefst konstruktiven künstlerischen Haltung, die jedoch dem Zufall genügend Freiraum zugesteht, um Regel und Gesetzmäßigkeit in ein dynamisches Gefüge zu überführen. 

 
In der Arbeit „Sechzehn und eine Farbe“ aus dem Jahr 1990 folgt das Raster der quadratischen Bildtafeln einer klaren Gesetzmäßigkeit, die durch das malerische Innenleben aufgebrochen wird. Nach und nach aber entwickelt sich auch darin eine Ordnung. Zum einen, weil das Auge des Betrachters nach Ordnung strebt, zum andern, weil der Künstler diese Ordnung im Werk schon angelegt hat. Das Auge stellt sich auf einen hellen Orange-Ton ein und filtert plötzlich Farbstreifen aus dem Gesamtbild heraus, die allesamt dieselbe Richtung haben. Streifen in dunklerem Orange beschreiben Vertikalen, die insgesamt vier Mal das Werk vom oberen bis zum unteren Bildrand durchziehen. Weitere Streifen in Grün und Blau kippen leicht aus der Orthogonalen, bilden aber insgeheim eine ebenfalls regelmäßige Reihung.

So sehr Bernhard Sandfort an den Gesetzmäßigkeiten des konstruktiven Bildaufbaus festhält, so wichtig ist ihm der Zufall. Diese Haltung ist mehr als nur eine künstlerischer, denn seine Bildsysteme versteht er auch als Metaphern für das Leben. Und so hat Bernhard Sandfort für das Leben eine künstlerische Entsprechung gefunden, in der zwischen Gesetzmäßigkeit, Regel und Zufall alles möglich, aber nichts notwenig ist. Diese Form der Kontingenz ist überzeugend, und vielleicht kommt seine Kunst damit dem Leben näher, als es der Konstruktivismus klassischer Prägung jemals war.

 


1936 geboren in Köln
lebt und arbeitet in Mannheim