François Morellet (*1926)
Récréation No. 6, 1994

Neonröhren und Kunststoff 112 x 112 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

 

 

1926 geboren in Cholet-sur-Loire  
2016 gestorben in Cholet-sur-Loire 


Ein weißes Quadrat, ein neutraler Hintergrund also, bildet die Grundfläche einer Reihe von Neonobjekten aus dem Jahr 1994. Diese Grundfläche bietet bei gleichzeitiger räumlicher Begrenzung Raum für eine Fülle von Möglichkeiten, die der Künstler in einer Serie durch Variation eines Kompositionsprinzips andeutet.
Auf der Basisplatte hat Morellet je drei leicht verbogene Neonröhren horizontal und vertikal angeordnet, in jeder Arbeit etwas anders. Die elektrischen Anschlüsse sind sichtbar und verbinden über den Bildrand hinweg je zwei Leuchtkörper miteinander. Es entsteht ein Gitternetz aus sechzehn Flächen, denen der ordnende Verstand sofort die Form von Quadraten zuweist. Doch durch den ungeraden Verlauf der Neonröhren ist die Gitterstruktur alles andere als gleichmäßig oder gar quadratisch. Der Vergleich mit der Form der Grundfläche macht die Deformierung nur um so augenfälliger.
Morellet paart hier die perfekte Form des Quadrats, die nur in der Mathematik, als Idee also, existiert, mit der Unvollkommenheit real existierender Dinge.
Doch von den Neonröhren geht – natürlich – ein Leuchten aus. Die unvollkommene Realität bekommt die Aura des Besonderen.