Richard Paul Lohse
Drei komplementäre Diagonalordnungen mit gelben
Ecken – Variation C, 1978

Acryl auf Leinwand
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Leuchtende Komplementärkontraste bestimmen die 1978 entstandene Arbeit des Schweizer Malers, Grafikers und Publizisten Richard Paul Lohse, dessen Werk in der Nachfolge des De-Stijl-Künstlers Piet Mondrian von systematischer und analytischer Vorgehensweise geprägt ist. Neun farbige Quadrate, regelmäßig auf ebenfalls quadratischer Grundfläche verteilt, lassen nach einer Ordnung suchen, die sich schließlich aus den vom unteren linken Bildrand diagonal ansteigenden komplementären Farbpaaren rot/grün, blau/gelborange, violett/gelbgrün ergibt. "Drei komplementäre Diagonalordnungen mit gelben Ecken" zählt zu den seit 1943 entstandenen "Seriellen Ordnungen", die das Quadrat als Grundelement aufgreifen und durch die horizontal-vertikale Ausrichtung der Einzelform eine Parallelität zur quadratischen Bildbegrenzung erzielen. 
 
Das Quadrat als Baustein, gleichzeitig konstant und flexibel, birgt die Möglichkeit zur Bildung seriell-beweglicher Ordnungen, die ebenso variabel wie erweiterbar sind und die Arbeit damit zum Bestandteil eines größeren Systems machen. Um die Geschlossenheit und Individualität jedes einzelnen Farbquadrates zu sichern, trennt Lohse gleiche Farben voneinander und begrenzt sie durch verschiedenartige; auch begegnen sich allein unterschiedliche Farben an den Winkeln der einzelnen Bausteine. Die individuelle Farbwirkung jeder Einzelform kommt damit besonders zum Tragen. Dies wird von der makellosen Textur des Farbauftrages unterstützt, da keine Unregelmäßigkeit, keine Pinselspur des Künstlers als subjektive Einmischung die Wirkung verunklärt.

 

 


1902   geboren in Zürich  
1988   gestorben in Zürich