Vera Molnar. Promenades en carré

18. Oktober 2020 bis 11. April 2021

 

 


Vera Molnar gilt als eine der wichtigsten Vertreterinnen der konstruktiv-konkreten Kunst und zählt zu den ersten Künstlerinnen überhaupt, die Werke mit dem Computer schufen. Seit ihren Anfängen steht die Lust am systematischen Experiment im Schaffenszentrum der seit 1947 in Paris lebenden Ungarin. Ihren ästhetischen Mitteln als Malerin und Zeichnerin wie auch ihrer Vorliebe für die geometrische Bildsprache ist sie dabei über die Jahrzehnte hinweg treu geblieben. Ausgehend von der Konzentration auf primäre Gestaltungselemente wie dem Quadrat, dem Kreis und der Linie generiert die Künstlerin eine Vielzahl an Serien, die den Betrachter dazu einladen, in ihren von Variation, Transformation und Un-Ordnung geprägten Bildwelten spazieren zu gehen.

Die frühen Entwicklungsjahre von Vera Molnar fielen in eine Epoche, als die traditionelle Auffassung darüber, was Kunst ist, grundsätzlich infrage gestellt wurde. Ihre eigene Ablehnung von subjektiven Entscheidungen und kompositorischen Überlegungen bei der Bildfindung führte die Künstlerin ab 1959 dazu, ihre „visuellen Forschungen“ nach einem kombinatorischen Verfahren zu betreiben, das sie als „machine imaginaire“ bezeichnete.

1968 erhielt sie dann erstmals die Möglichkeit, mit einem Computer zu arbeiten, der mithilfe vorgegebener Algorithmen eine unerwartete Vielfalt an „unvorstellbaren“ Bildergebnissen erzeugte.

In der Sammlung Marli Hoppe-Ritter ist Vera Molnar mit zahlreichen Arbeiten vertreten. Es ist daher längst überfällig, die Bandbreite ihrer Kunst in einer Einzelausstellung vorzustellen. Die Schau präsentiert Arbeiten von 1942 bis heute und nähert sich Vera Molnars Schaffen in offenen Kapiteln: Zu sehen sind frühe Zeichnungen, Gouachen und Buchstaben-Bilder, die ein Streben nach Symmetrie und Serialität sichtbar machen. Eine Reihe von Computerplots und Malereien führt wiederum Verschiebung, Verformung und Zufall als gestalterische Prinzipien vor.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Werke, die eine wiederholte Auseinandersetzung mit der Farbe Rot wie auch mit Werken der Kunstgeschichte veranschaulichen. Eine weitere Besonderheit der Präsentation ist eine völlig neue Arbeit, die Vera Molnar anlässlich ihres diesjährigen 96. Geburtstags zusammen mit dem Lichtkünstler Adalberto Mecarelli geschaffen hat.

Biografie Vera Molnar

1924 geboren in Budapest
1942–47 Studium der Malerei, Kunstgeschichte und Ästhetik, Ungarische Akademie der Bildenden Künste, Budapest
1947 Übersiedelung nach Paris
1959–68 arbeitet mit der Methode machine imaginaire
1968 erste computergenerierte Kunstwerke
1960 Mitbegründerin der Vereinigung GRAV (Groupe de recherche d’art visuel), Paris
1976 erste Einzelausstellung, Galerie der Polytechnic of Central London
1985–90 Lehrbeauftragte, Fachbereich Bildende Kunst und Kunstwissenschaft, Université Paris I Sorbonne
2005 erste Preisträgerin des d.velop digital art award
2012 Ernennung zum Chevalier de l’ordre de la Légion d’honneur
2018 Preisträgerin des Prix AWARE
Vera Molnar lebt in Paris.

 

 

Abbildungen:

9 ronds, 3 couleurs, 1966, Foto: Gerhard Sauer

M comme Malévitch, 1961

9 carrés dispersés par le vent du large, 1999/2001

Hommage à Renoir, 1968, Foto: Gerhard Sauer

© VG Bild-Kunst, Bonn 2020