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Kein Tag ohne Linie. Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter

7. November 2021 bis 24. April 2022

Ein erster Entwurf, eine kleine Skizze, ein notierter Gedanke: Als Ursprung einer jeden künstlerischen Idee gilt die Linie, mit Feder oder Bleistift in einer Zeichnung festgehalten auf dem Blatt Papier. Betrachtet man jedoch die Linie an sich, dieses schlichte eindimensionale grafische Element, tut sich jenseits der klassischen Zeichnung ein unerwartet facettenreiches Panorama an ästhetischen Formen auf, das Anlass ist für diese Präsentation mit Werken aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter.

Das Nachdenken über das Wesen der Linie als eigenständiges bildnerisches Mittel setzte mit den Anfängen der Abstraktion ein. Paul Klee, der sein Schaffen der Losung „Kein Tag ohne Linie“ (Plinius d. Ä.) verschrieb, verstand die Linie als unmittelbare Spur eines in Bewegung geratenen Punktes und verglich die Genese einer Zeichnung mit einem Spaziergang durch die freie Natur.

 

Auch für die Vertreter der konstruktivistischen Avantgarde wurde die Linie zu einem zentralen Gestaltungselement. Anders als Klee verfolgten Künstler wie Alexander Rodtschenko jedoch einen wissenschaftlich-technischen Ansatz: Sie etablierten die mathematisch exakte Linie nicht nur auf der Bildebene, sondern auch in ihren raumdurchdringenden Objektkonstruktionen.

Diese konträren Herangehensweisen regen bis heute vielseitige Auseinandersetzungen mit der Linie an, auch weil dieses einfache Gebilde einen ästhetischen Spielraum eröffnet, der vom Ausdruck der subjektiven Künstlerhandschrift bis hin zu dem höchster mathematischer Präzision reicht. Die Linie erfüllt eine Vielzahl an Funktionen: Sie begrenzt und konturiert, sie zeichnet auf und protokolliert das Zeitliche, sie gliedert ein Gerüst oder sie definiert ein Feld, und nicht zuletzt lassen sich mit ihr raumdynamische Effekte erzeugen.

 

Entlang des Ausstelungsparcours mit über 80 Werken werden Aspekte des Linearen deutlich. Zu sehen sind Konstruktionslinien und Linienraster, Maßlinien und Flächenteilungen, Schrift-Bilder und Bewegungslinien wie auch Zeichnungen im Raum. Dass sich die Linie immer wieder von den üblichen Erwartungen an das Zeichnerische loslöst und das konventionelle Bildgeviert verlässt, ist in Plastiken, Objekten und Installationen zu erkennen.

Mit dem gestickten Faden, dem Scherenschnitt, der Leuchtröhre oder dem gewundenen Metallstab tritt die Linie als haptisches Element in Erscheinung und dringt in den realen Raum des Betrachters ein. Die Schau stellt mit Künstlerinnen und Künstlern wie Serena Amrein, Leo Erb, Katharina Hinsberg und Vera Molnar schließlich auch mehrere zeitgenössische Positionen vor, die die Linie zu ihrem zentralen Medium der Reflexion und des Experiments auserkoren haben.

Ausstellungsbeteiligte:

Serena Amrein, Marina Apollonio, Bettina Blohm, Leo Erb, Heinz Gappmayer, Niko Grindler, Erwin Herbst, Katharina Hinsberg, Rudolf Jahns, Paul Klee, Vera Molnar, François Morellet, Bruno Munari, Haleh Redjaian, Karl Peter Röhl, Jesús Rafael Soto, Klaus Staudt, Timm Ulrichs, Ignacio Uriarte u. v. m.

 

Abbildungen:

François Morellet, Confrontation n°2, 2015 © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Franz Wamhof

Serena Amrein, aufzeichnen 2, 2019 (1/2 Teilen) © Künstlerin, Foto: Wolfgang Lukowski

Karl Peter Röhl, Ohne Titel, 1923 © Künstler, Foto: Friedhelm Hoffmann