Hans Jörg Glattfelder

Vom Besonderen zum Allgemeinen

26. Mai – 15. September 2019

 


Hans Jörg Glattfelder gehört zu den Hauptvertretern der konkreten Kunst und hat diese entscheidend weiterentwickelt. Das Museum Ritter nimmt den 80. Geburtstag des Künstlers zum Anlass, sein Œuvre von den Sechzigerjahren bis heute anhand ausgewählter Werke vorzustellen. Gemälde und
Reliefs aus über fünf Jahrzehnten sowie Collagen und Zeichnungen geben Einblicke in verschiedene Schaffensphasen. Erfrischend für das Auge des Betrachters ist zudem eine ungewöhnliche kinetische Wandinstallation aus tropfenförmigen Elementen, die kontinuierlich wechselnde Eindrücke generiert.

In seiner langen Künstlerlaufbahn hat Hans Jörg Glattfelder immer wieder zu besonderen Spielarten der geometrisch-konstruktiven Kunst gefunden. Ausgehend von mathematisch-analytischen
Bildkompositionen gelangte er in den späten Sechzigerjahren zu einer komplexen Einbeziehung mehrdimensionaler Raumvorstellungen ins bildnerische Werk. Bereits in seinen vertikal strukturierten Lamellenreliefs, deren Aufbau dem Prinzip von Faltbildern folgt, zeigt sich sein großes Interesse an
räumlichen Effekten. Ihre volle Wirkung entfalten diese Arbeiten mit dem Standortwechsel des Betrachters, dem sie je nach Blickwinkel unterschiedliche Ansichten offenbaren. Gleiches gilt
für die darauffolgende Werkgruppe der Pyramidenreliefs, die aus massenhaft produzierten Kunststoffmodulen bestehen. Die vom Künstler in großer Anzahl angefertigten Reliefs bescherten
ihm den Durchbruch in der Kunstszene und sind bis heute beispielhaft für sein Werk.

Gegen Mitte der Siebzigerjahre wandte sich Hans Jörg Glattfelder neuen Fragestellungen zu. Inspiriert von Wahrnehmungsphänomenen und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Raum, fand er in der Folgezeit mit den sogenannten Nichteuklidischen Metaphern einmal mehr zu einer besonderen bildlichen Darstellungsform von hohem Wiedererkennungswert. Augenfälliges Merkmal dieser Bilder ist ihr
ungewöhnliches trapez- oder drachenartiges Format. Der Künstler bricht in diesen Kompositionen mit den strengen rechtwinkligen Strukturen der herkömmlichen konkreten Kunst und thematisiert stattdessen den gekrümmten Raum. Während sich bei einigen Bildern unmittelbar eine starke räumliche Wirkung einstellt, glaubt man in anderen, erst nach intensiver Betrachtung einen hyperbolisch gekrümmten Raum zu sehen.

 


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Abbildungen: 

Hans Jörg Glattfelder mit seiner Arbeit PYR 3, Foto: Tom Oettle
MIR 46/B, 1970, Foto: Galerie Geiger
Umriss Energien, 2012, Foto: Galerie Geiger
Werke © Künstler