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Hans Jörg Glattfelder »Kann ein krummes Ding gleichzeitig auch gerade sein?« |
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| Nachdem sich Hans Jörg Glattfelder seit den 1960er Jahren verstärkt mit räumlichen Strukturen befasst und aus Pyramidenelementen geometrische Reliefs gestaltet hatte, begann er, sich ab 1970 mit wissenschaftsorientiertem Gedankengut zu beschäftigen. Vor allem mathematische Theorien zu verschiedenen Geometriekonzeptionen standen dabei im Fokus, etwa die nichteuklidische Geometrie, die die Vorstellungen der gemeinhin bekannten euklidischen Elementargeometrie in wesentlichen Punkten verlässt. |
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Das Resultat dieser Auseinandersetzung waren zweidimensionale Werke, die komplexe Raumvorstellungen hervorrufen, wobei die traditionelle, rechtwinklige Bildbegrenzung überwunden wird. So untersuchte Glattfelder die Wirkung von Linienbündeln auf verschieden geformte Bildflächen und zeigte helle Linien auf dunklem Grund und umgekehrt; dabei widmete er der räumlichen Wirkung von Farben besondere Aufmerksamkeit. Die Wahrnehmung des Betrachters ist vor diesen Arbeiten immer ambivalent: Das Liniennetz suggeriert eine gekrümmte Fläche, aus der bestimmte Farbbereiche hervorzutreten scheinen, andere hingegen optisch zurückweichen – gleichzeitig bleibt aber die zweidimensionale Materialität der Bildfläche offensichtlich. Die Schnittpunkte der Liniengeflechte wurden später zum Thema weiterer Arbeiten, da sie dazu tendieren, »sich räumlich zu verselbständigen«, so Glattfelder. Die Einbeziehung des Betrachters in seine Bildwelten vollzog der Künstler allerdings schon in den 1960er Jahren, wo dies als allgemeiner Anspruch an die Kunst formuliert wurde. So entstanden geometrische Reliefs – noch im euklidischen Raum – die durch variable Perspektiven unterschiedliche Wahrnehmungsweisen möglich machen. Trotz des wissenschaftsgeprägten Vorgehens des Künstlers sind seine Werke keine mathematischen Anschauungsmodelle, sondern vielmehr bildliche Übertragungen unbekannter Räume. |
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Biographie
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1939
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geboren in Zürich lebt und arbeitet seit 1998 in Paris
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ab 1958
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Studien an der Universität Zürich (Jura, Kunstgeschichte, Archäologie)
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1963
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Übersiedlung nach Florenz, Arbeiten mit formal streng strukturierten Farbelementen
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1977
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Beginn der Serie »Nichteuklidische Metaphern«
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1987
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Camille-Graeser-Preis, Zürich
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1990
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Aufenthalt in New York im Atelier der Stadt Zürich, theoretische Äußerungen zum »Meta-Rationalismus«
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