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| Die Museumsleiterin Gerda Ridler im Gespräch mit Werner Bauer |
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Das Interview entstand im Dezember 2007 in Waldenbuch. Das vollständige Interview ist im Katalogbuch zur Ausstellung abgedruckt. |
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Sie haben nach gegenständlich orientierten Anfängen der Figuration rasch den Rücken gekehrt und geometrisch-abstrakt gearbeitet. Hat die Konstruktive und Konkrete Kunst eine Vorbildfunktion für Ihr künstlerisches Schaffen, und welche Anregungen waren für Sie besonders wichtig?
In der Tat war die Konstruktive und Konkrete Kunst so etwas wie ein Rettungsanker in der Suche nach einer für mich passenden Kunstrichtung. Hier konnte ich mich festmachen und mir eine Grundlage schaffen, auf der ich bis heute weiterarbeite. Das Alphabet der Konkreten Kunst erwies sich für die Realisierung meiner künstlerischen Ideen sogleich als sehr geeignet. Anregungen gab es sicherlich. Ich entdeckte, dass ich mich nicht als Maler sah, dass das Material für mich eigentlich immer am Anfang stand.
Ihre frühen Objekte sind vorrangig aus Holz. Es sind meist quadratische Objekte, auf denen sie Elemente in bestimmte Ordnungen und Strukturierungen bringen. Diese Arbeiten suggerieren Raumtiefe und Bewegung. Was hat Sie daran interessiert?
Bei den Holzobjekten war es zunächst das Werkzeug, ein Langlochbohrer, der meine Aufmerksamkeit erregte. In Verbindung mit einer Holzplatte schuf dieser Bohrer zugleich in und an dem Holz bei jedem Bohrvorgang eine große negative, kreisrunde Säule und ließ eine kleine Rundsäule in der Mitte stehen. Diese beiden Formen erschienen mir als etwas Wunderbares. Damals entdeckte ich auch die Schönheit des Seriellen, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat. |
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Ab den 1970er Jahren entstehen Werke aus geschliffenen Plexiglaselementen, die virtuelle Bewegung erzeugen. Sie haben sich hier mit der Lichtbrechung auf bearbeiteten Plexiglaskörpern auseinandergesetzt. War das Ihre Antwort auf die Op-Art?
Der serielle Aufbau von Objekten aus gestalteten Plexiglasteilen eröffnete mir viele neue Möglichkeiten. So hielt ich zum Beispiel einen Aufbau von fast seriellen Teilen, die sich durch den Schleifvorgang nur wenig voneinander unterscheiden, für besonders aussagekräftig. Ich studierte die Lichtbrechung, wollte mich aber deutlich von den mir bekannten Arbeiten mit industriellen Riffelgläsern absetzen. Ich wollte meine eigenen selbstgefertigten Einzelteile schaffen.
Sie haben einen Großteil Ihres Schaffens dem Licht gewidmet; man könnte Ihr Œuvre als eine faszinierende Verschränkung von Licht, Bewegung und Raum bezeichnen. Seit wann arbeiten Sie mit Licht, und was interessiert Sie an der künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem nicht greifbaren, immateriellen Element?
Unter Licht verstehe ich natürliches und künstliches Licht. Seit den Plexiglasarbeiten habe ich immer mit beiden Lichtarten gearbeitet. In ihnen tauchen auch beide Bewegungsarten auf: die Scheinbewegung, die durch die Bewegung des Betrachters vor den Objekten entsteht, und die wirkliche Bewegung, wie sie zum Beispiel ein Motor verursacht. Das Sonnenlicht gab es schon immer. Künstliches Licht ist eines der wichtigen Elemente unserer Zeit geworden, das leider auch vielfach missbraucht wird, da sein exzessiver Einsatz in Verbindung mit rasender Bewegung oft eher an Jahrmarkt oder Werbung als an Kunst erinnert.
Sie experimentieren seit jeher mit unterschiedlichen Materialien und Techniken und haben ein außerordentliches Talent, neue Werkstoffe für die Kunst zu erschließen. Wann und wie haben Sie Silikon als Lichtträger entdeckt?
Die ersten Silikonlichtobjekte entstanden 1981. Das transparente Silikon, das man in Kartuschen für den Bau kauft, entdeckte ich als Arbeitsmaterial ganz zufällig: Auf einen aus der Kartusche ausgetretenen Silikonfleck hatte ich unbeabsichtigt eine Plexiglasplatte gelegt. Daneben befand sich eine brennende Leuchtstofflampe. Mein aufkommender Ärger über die verdorbene Plexiglasplatte verwandelte sich allerdings schnell in Erstaunen, als ich bemerkte, dass die Platte an der Stelle, wo sie auf dem Silikonfleck lag, aufleuchtete. Normalerweise bleibt das Licht, das in eine Plexiglasplatte geleitet wird, durch die Totalreflektion in der Platte unsichtbar. Es kann nur an den Schnittkanten austreten. Der Kontakt mit dem Silikon hob jedoch an dieser Stelle die Totalreflektion auf und ließ das Licht austreten. Sofort wurde mir klar, dass diese Entdeckung für meine Arbeit Folgen haben würde. |
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Sie fertigen alle Ihre Arbeiten selbst, haben nicht wie andere Künstler ein großes Atelier und zahlreiche Helfer. Die Folien für Ihre Arbeiten schneiden Sie selbst von Hand und strukturieren diese Teile auf einer Trägerfläche. Daher werden Sie in der Literatur sehr oft als Künstler der Strukturen und des Lichts bezeichnet. Ist das eine treffende Bezeichnung?
Das ist sicher richtig. Das Erfinden von Strukturen, die zugleich die Eigenschaften eines bestimmten Materials sichtbar machen sowie meiner Bildvorstellung entgegenkommen, ist fast immer das Ziel meiner Arbeit mit dem Licht.
Eugen Gomringer hat einmal geschrieben, Sie "ordnen das Licht". Was bedeutet das genau?
Das Wesen des Lichts besteht darin, dass es sich allseitig ausbreitet. In meinen Arbeiten wird es daran gehindert, sei es durch einen geschlossenen Kasten oder durch Anordnungen, bei denen auf Grund der Lichtbrechungsgesetze begrenzte Formen entstehen oder aber auch durch andere Materialien, bei denen das Licht durch Schnitte oder Biegungen eindeutige oder vieldeutige Formen bildet.
Ihre Werke haben keine Titel. Sie sind klar bezeichnet, meist mit Buchstaben, die als eine Abkürzung der Materialangabe zu lesen sind, und mit einer Nummerierung. Warum besitzen Ihre Arbeiten keine poetischen Titel?
Wenn Arbeiten von mir poetisch wirken, habe ich nichts dagegen. Titel finde ich jedoch bei Werken der Konkreten Kunst unangebracht, da diese weder die Natur noch Naturerscheinungen imitieren will. Im Katalog des Museums für Konkrete Kunst in Ingolstadt, der im Jahr 2005 zum 80. Geburtstag von Eugen Gomringer erschienen ist, schreibt dieser, dass Max Bill sich dafür ausgesprochen habe, Strukturbildung als ein wesentliches Merkmal der Konkreten Kunst anzusehen. Nimmt man die beiden Begriffe Sorgfalt und Präzision hinzu, ist man bei meinen Arbeiten. Die Poesie, die jemand in einer Arbeit entdecken will, ist etwas zu Persönliches und Subjektives, als dass sie durch einen Titel verallgemeinert werden könnte. |
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Wenn man die Entwicklung der Lichtkinetik betrachtet, so sind Künstler immer vom aktuellen Stand der Technik abhängig gewesen. Man kann Ihr künstlerisches Schaffen daher mit Überzeugung als visionär bezeichnen. Durch Ihre kontinuierlichen Experimente und das Erproben neuartiger technischer Materialien für die Kunst haben Sie den aktuellen Stand der Forschung antizipiert und überschritten.
Für mich ist die Erkenntnis interessant, dass sich viele meiner Werkstoffe und hier besonders die OLF-Folie in verblüffender Weise als Material unserer Zeit erweisen. Diese Folie bietet ganz subtile Seherlebnisse und sie birgt durch die Prismenstruktur zusätzlich das Erlebnis von Irritation und Überforderung der Wahrnehmung in sich. Die ästhetische Verwendung dieser Folie spiegelt in gewisser Weise die Reaktionen unserer Gesellschaft auf eine immer unübersichtlicher werdende Welt wider. |
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