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Those pages are in german language awailable only, thank your for understanding. Eröffnungsrede Dr. Barbara Willert: BILDERTAUSCH 2 Neupräsentation der Sammlung Marli Hoppe-Ritter Zum zweiten Mal seit der Eröffnung des Museum Ritter findet mit dieser Neupräsentation der Sammlung ein Bildertausch statt. Aus dem Bestand der Sammlung Marli Hoppe-Ritter wurden rund 60 Arbeiten ausgewählt, die bislang noch nicht zu sehen waren. Damit präsentiert sich die dem Quadrat gewidmete Sammlung erneut von einer anderen Seite. Und wieder gibt es viel Neues zu entdecken im Reich der geometrischen, vorzugsweise quadratischen Kunst: Das Spektrum dieser Neupräsentation reicht dabei von konstruktiven Bildern, die in unmittelbarer Bauhaus- und De Stijl-Nachfolge ab den 1940er Jahren entstanden sind, über die rational-systematischen Tendenzen der Zürcher Konkreten bis hin zu ganz aktuellen Positionen geometrisch-abstrakter Kunst. In der Chronologie der Ausstellung stehen zwei Gouachen aus den 1940er Jahren am Anfang. Sie zeichnen sich vor allem durch ungewöhnliche koloristische Qualitäten aus. Die eine Gouache schuf der Ungar Etienne Béöthy, die zweite der Franzosen Auguste Herbin. Beide Künstler waren Mitglieder der Vereinigung Abstraction-Création, einer Gruppe, die sich ganz der Förderung non-figurativer Kunst verschrieben hatte und eine klare, geometrische Bildsprache favorisierte. Ähnliche Ziele verfolgten die mathematisch-konstruktiv und extrem präzise arbeitenden Zürcher Konkreten. Sie sind in dieser Ausstellung mit einem sehr frühen konkreten Ölgemälde von Camille Graeser aus dem Jahr 1943 sowie mit späteren Arbeiten von Verena Loewensberg und Max Bill vertreten. In dieser strengen Traditionslinie stehen auch die Bilder von Carlo Vivarelli, einem Künstler, der ebenfalls im Kreis der Zürcher Konkreten aktiv war, von Geneviève Claisse, von Aurélie Nemours und von Andreas Brandt. Und auch der Niederländer Bob Bonies verfolgt eine konstruktiv-konkrete Position und hat sich mit seiner Malerei ganz der Nachfolge und Weiterentwicklung der De Stijl-Prinzipien verschrieben. Von ihm ist in dieser Ausstellung ein großes, rot-weißes Gemälde aus den späten 1960ern zu sehen. Bob Bonies zweiteiliges Bild visualisiert zugleich ein Thema, das gleich bei mehreren, vornehmlich zeitgenössischen Exponaten ein zentrales ist: nämlich die Verbindung von geometrischer Exaktheit mit kalkulierten Verschiebungs- bzw. Bewegungseffekten. Wir finden diese Verzahnung etwa in einer farbenfrohen Wandarbeit von Dieter Balzer, und sie kennzeichnet auch ein großes Gemälde von Magnus von Stetten. In beiden Werken wird ein konstruktiv-geometrischer Aufbau an die Suggestion eines Drehmoments gekoppelt. Auch dem 2006 entstandenen Bildkasten von Marguerite Hersberger ist ein dynamisierender Zug eigen. Er resultiert in diesem Fall aus der räumlichen Überlagerung bemalter Acrylglasscheiben. In all diesen Arbeiten ergibt sich letztlich jedoch durch die Wiederholung gleichartiger Formen und die systematische Anordnung geometrischer Einzelformen ein ausbalancierter, natürlich quadratischer Bildeindruck. Formale Strenge und mathematische Präzision kennzeichnen des Weiteren eine Reihe von neueren Arbeiten, deren Wirkung ganz auf dem kontrastreichen Gegensatz von Schwarz und Weiß basiert. Hierzu zählen etwa ein raffiniertes, mehrteiliges Gemälde von Dany Paal und eine ebenso einfache wie irritierende Wandarbeit, die Gerhard Frömel aus lackiertem Aluminium geschaffen hat. Bei der rein weißen, jedoch gezielt strukturierten Bildoberfläche einer Arbeit von Enrico Castellani und bei dem geometrisch gestalteten Schatten-Kasten von Tom Mosley kommt schließlich die Wirkung von Licht- und Schatten als wesentliche Werk konstituierende Komponente hinzu. Und bei Hellmut Bruchs orange leuchtender Wandarbeit aus farbigem, fluoreszierendem Acrylglas spielen - neben dem Thema Licht - Parameter der konkreten Kunst wie Geometrie und Proportionen eine entscheidende Rolle. Gleiches gilt für Wolfram Ullrichs schwer und archaisch wirkendes Wandobjekt aus gerostetem Stahl, aus dem ein dunkler Kubus perspektivisch herauszutreten scheint und beim Betrachter eine Art Sinnestäuschung evoziert. An dieser Stelle sei erwähnt, dass in der Ausstellung auch einige wenige konstruktive Plastiken gezeigt werden, darunter eine aus sich durchdringenden stereometrischen Formen gebildete Holzskulptur von Friedhelm Tschentscher und eine kleiner „Treppenbogen“ aus Gusseisen, den der Künstler Günter Wagner ausgehend von einem Würfel mit der Seitenlänge von nur 10 cm geschaffen hat. Aus der Quadratform entwickelt, sind gleichfalls eine elegante, schwarz-weiße Stele von Marcello Morandini sowie eine über zwei Meter hohe Metallplastik von Martin Willing, die sehr eindrucksvoll in Bewegung versetzt werden kann. Neben konstruktiv-konkreten Werken mit einer klaren Formensprache im Zwei- oder Dreidimensionalen sind in dieser Sammlungsneupräsentation vor allem außergewöhnliche malerischen Positionen gut vertreten, und bei einer ganzen Reihe von Bildern steht der spezifische Umgang mit Farbe und Farbwirkungen ganz im Vordergrund. Dies trifft etwa auf eine in subtil variierten Rottönen gehaltene Komposition von Johannes Itten zu oder auf ein leuchtend buntes, quadratisches Bild von Piero Dorazio, dessen suggestive Farbenpracht an Glasmalerei erinnert.
Geradezu einen visuellen Farbschock ruft beim Betrachter die immense Leuchtkraft eines von Rupprecht Geiger in grellen Neonfarben angefertigten Quadratgemäldes hervor. Eine ungewöhnlich eindringliche und sinnliche Präsenz der Farbe kennzeichnet ebenfalls die zum Teil mit immensem Arbeitsaufwand geschaffenen monochromen Bilder von Günter Scharein, von Reinhard Roy, von Heiner Thiel und von Bernard Aubertin.
Bei Günter Umberg wird die Farbe in ihrer Materialität schließlich zum Bildgegenstand selbst. Unzählige schwarze Pigmentschichten führen in seiner radikalen Malerei zu einer unglaublich samtigen und zugleich höchst empfindlichen Schwärze, in deren Tiefe man förmlich einzutauchen scheint. Von ungewöhnlich sinnlicher Farb- und Materialpräsenz ist gleichfalls eine semitransparente Wandarbeit von Werner Haypeter. Das kleine, gelb schimmernde Werk aus Epoxidharz wirkt wie ein unergründlich von innen heraus leuchtender Farbraumkörper.
Die Farbe ist natürlich auch das große Thema von Platino, der in dieser Ausstellung mit einem quadratischen Bildobjekt in kräftig glänzendem Rot vertreten ist. Und Jürgen Paas verbindet schließlich einen der monochromen Malerei verpflichteten Ansatz mit der Idee des Seriellen und ästhetisch geordneten Nebeneinanders. Schlussendlich seien noch einige individualistische, völlig undogmatische Ansätze erwähnt, denn vor allem die jüngere Künstlergeneration fand im Umgang mit der Quadratform nicht selten zu überraschend spielerischen und experimentellen Lösungen. So ist in der Ausstellung zum Beispiel ein fast 6 Meter breites „serielles Bild“ von Gabriele Langendorf zu sehen. Das Gemälde zeigt eine monotone Wohnblockfassade mit dem immergleichen Rapport von geometrischen Balkonarrangements. Neben das Bild hat die Künstlerin einen handelsüblichen Kollektionsständer gestellt, an dem sie - in der Art von Stoffmusterproben – gemalte, stereotyp gestaltete Fassadenansichten, gewissermaßen als Bilder von der Stange, präsentiert.
Dass sich der prägnanten Form des gleichseitigen Vierecks auch außerhalb des gewohnten Terrains der Malerei gerade im aktuellen Kunstschaffen fortwährend neue, unkonventionelle Möglichkeiten eröffnen belegen auch etwa die erfrischend originellen, aus Büroutensilien und Haushaltswaren geschaffenen Wandobjekte von Tina, Haase, von Ottmar Hörl und von Alexandre da Cunha. Liebe Besucherinnen und Besucher, liebe Gäste, Sie ahnen vielleicht schon, dass sich im künstlerischen Umgang mit der quadratischen Form keinesfalls Langeweile breit macht. Vielmehr eröffnet die Konzentration auf das Quadrat eine gewaltiges Spektrum unterschiedlichster Lösungen, und wir hoffen, dass Ihnen auch diese zweite Neupräsentation der Sammlung Marli Hoppe-Ritter einen Eindruck von der Vielgestaltigkeit quadratischer Kunst vermitteln kann.
Seien sie herzlich zu einer Entdeckungsreise eingeladen und erkunden Sie, zu welch spannenden, sinnlichen und heiteren Ergebnissen das Quadrat gerade auch in der neueren Kunst führte. Barbara Willert
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