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Corrado Bonomi
Ein unmögliches Geschenk, 2006 
 
Acryl auf Leinwand, Transparentpapier, Geschenkschleife, Plexiglasbox
50 x 50 cm

 
 

Corrado Bonomi ist 1956 geboren und lebt und arbeitet in Novara / Piemont, Italien.
Der Mensch sei nur da ganz Mensch, wo er spielt, wusste Friedrich Schiller schon vor mehr als 200 Jahren. Der italienische Künstler Corrado Bonomi ist ein solcher begnadeter Spieler – zumindest gibt das Spielfeld seiner Kunst eine Ahnung davon. Er spielt mit vorgefundenen Gegenständen und Artefakten, mit den fließenden Übergängen zwischen Modell und Wirklichkeit, mit profanen und sakralen Ikonen. Er lässt sich als Magier mit einer leuchtenden Kugel ablichten, dann wieder als Gärtner, Angler oder Pizzabäcker.

Mit heiterem Ernst lotet Corrado Bonomi die Grenze zwischen Kunst und Kitsch aus. Dabei geht es immer auch um ein Rollenspiel, in das die Protagonisten der Kunst unweigerlich einbezogen werden: hier der artgerechte Künstler, dort die Erwartungen des Kunstpublikums und mittendrin das Kunstwerk. Vor diesem Hintergrund ist auch die Arbeit „Ein unmögliches Geschenk“ zu verstehen. Es ist ein quadratisches Bild, auf die Spitze gestellt, verpackt und mit einer gelben Geschenkschleife verziert. Das Bild selbst bleibt im Verborgenen – oder ist das verpackte Bild selbst das eigentliche Werk?
Der amerikanische Künstler Jasper Johns malte in 1950er Jahren eine Reihe von Bildern, deren Motiv die amerikanische Nationalflagge der „Stars and Stripes“ war. Woraufhin der Musiker John Cage sich die Frage erlaubte: „Is it a flag or is it a painting?“ [„Ist es eine Flagge oder ist es ein gemaltes Bild?“]. Die Frage kann man sich – auch wenn es sich dabei nicht um Malerei handelt – sinngemäß bei Corrado Bonomis Arbeit stellen: Ist es ein Geschenk oder ist es das Bild eines Geschenks? Bonomis Geschenk bleibt eine eindeutige Antwort schuldig, stattdessen stellt es weitere Fragen in den Raum: Was ist denn nun das eigentliche Geschenk und wartet es insgeheim nur darauf, endlich ausgepackt zu werden? Wer soll damit beschenkt werden? Ist das Werk etwa als Geschenk in die Sammlung gekommen? Und: Warum ist es überhaupt ein „unmögliches“ Geschenk? Wir wissen es nicht. Können es nur erahnen – als Teilnehmer eines Rollenspiels, in dem uns Corrado Bonomi mit seinem Werk immer weiter in spekulative Scharmützel verstrickt.
 
Text: Ralf Christofori