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Diet Sayler (*1939)
Kutná Hora, 2006
Acryl auf Holz
61 x 61 x 5,6 cm
„konkret ist geschichte / basis ist gegenwart“. So beginnt einer der vielen Texte von Diet Sayler, die – wenngleich zwischen Manifest und Poesie hin und her pendelnd – von einer Klarheit sind, die seinem künstlerischen Werk voll und ganz entspricht. Mit einer souveränen Haltung rekurriert Sayler auf die Geschichte und Tradition der Konkreten Kunst und formuliert daraus mit Vehemenz die Basis für ein zeitgenössisches und zeitgemäßes Werk, das von den 1960er Jahren bis heute im Grunde genommen viel zu wenig Beachtung gefunden hat; denn er gehört zu den wenigen Künstlern, die es geschafft haben, sich auf äußerst reduzierte Basiselemente zu beschränken und dennoch eine Vielfalt von künstlerischen Formen zu erarbeiten: im kleinen und großen Format, direkt auf der Wand, im musealen und im öffentlichen Raum. Die Basiselemente, die Sayler in verschiedenen Formen und Farbkonstellationen verwendet, sind streng geometrisch, und doch will sie der Künstler nicht – im konkreten Sinne – objektiv verstanden wissen. Stattdessen entwickelt er „eine eigene, subjektive Sprache der Geometrie“, in der das konstruktive Moment eine ebenso zentrale Rolle spielt wie die Intuition und der Zufall.
Saylers Bild „Kutná Hora“ von 2006 zeigt, wie dies zu verstehen ist. Auf der quadratischen Bildfläche stoßen zwei Farbzonen aufeinander – die eine orange, die andere rot. Wie zwei Tetris-Formen sind die beiden Zonen ineinander verzahnt, wenn auch leicht aus dem rechten Winkel der Bildfläche gekippt. Wie sehr das Bild intuitiv angelegt ist, deutet sich auch im Titel der Arbeit an. Immer wieder hat der Künstler seine abstrakten Werke mit bemerkenswerten Orten und Städten in Verbindung gebracht: mit „Mondovi“ (1998), „Capodimonte“ (2002), „Taormina“ (2004) oder eben „Kutna Hora“, einer tschechischen Kleinstadt, deren Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Jede einzelne dieser Arbeiten entsteht aus der Erinnerung des Künstlers an diese Orte. Die Orte sind unweigerlich in den Bildern präsent, auch wenn sie als solche nicht in Erscheinung treten. Gerade darin lässt Diet Sayler die Objektivität der Konkretion weit hinter sich, um seiner Kunst über die Erinnerung und Intuition völlig neue Freiräume zu eröffnen.
1939 geboren in Timisoara/Rumänien
1956–1961 Studium des Hochbaues an der Technischen Hochschule Timisoara; Studium der Malerei
1968 Atelier in Bukarest
1973 Emigration nach Deutschland; Atelier in Nürnberg
1975 Lehrtätigkeit in Nürnberg
1980–1990 Leitung der internationalen Ausstellungsreihe »konkret« in Nürnberg
1988 Camille Graeser Preis, Zürich
1992-2005 Professur an der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
1995 Gastprofessur an der Statens Kunstakademie Oslo