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Joachim Grommek (*1957)
o.T. 51, 2006

Lack, Acryl, Öl, Grundierung,
Kunststoffbeschichtung, Spanplatte 50 x 50 cm
Irgendwie kommt einem das Bild von Joachim Grommek vertraut vor. Bunte Klebestreifen von unterschiedlicher Stärke, die meisten horizontal auf einer hellbraunen Spanplatte. Oben heller, darunter blau und grün, nach vorn hin dann Brauntöne und Schwarz. Was ist Vordergrund, was Hintergrund? Handelt es sich um eine ungegenständliche Komposition aus Klebestreifen oder doch um ein abstraktes Landschaftsbild? Vielleicht hat Joachim Grommek sich für sein Bild „Ohne Titel #51“ auch ein Vorbild aus der Kunstgeschichte gewählt, so wie er dies manchmal bei anderen seiner Arbeiten tut, wenn er sich etwa auf Andy Warhol oder Blinky Palermo bezieht. Oder wirkt das Bild so vertraut, weil Grommek scheinbar mit Materialien arbeitet, die wir alle aus dem Baumarkt kennen: Klebestreifen und Spanplatten? Die Kunst grüßt aus der Alltagswelt?
Alles falsch. Bei Joachim Grommeks Kunst ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die vermeintlichen Klebestreifen sind in Wahrheit präzise mit Lack aufgetragene Farbschichten, und sogar der Spanplattenuntergrund ist gemalt. Die Verwirrung wird komplett, wenn man realisiert, dass diese künstlerische Spanplatte auf einer wirklichen aufgebracht ist, die allerdings vorher weiß grundiert wurde.
Merken Sie, was gerade mit Ihrer Wahrnehmung passiert? Sie werden jetzt den Text beiseite legen und sich das Bild noch einmal ganz genau ansehen, und plötzlich ist aus einer rätselhaften Klebestreifenkomposition ein faszinierendes illusionistisches Kunstwerk geworden. Damit hat der Künstler sein Ziel erreicht: „Ich nehme Dinge, die die Menschen nicht bemerken, und mache sie bemerkbar….“ Joachim Grommek ist ein Illusionist, ein sehnsüchtiger Fälscher der Realität, wie er selbst meint: „Alle Kunst ist auch Fälschung. Ihre gefälschten Emotionen, gefälschten Objekte bestehen aus Sehnsucht. Sie will wie das wirkliche Leben sein, aber das kann sie nie sein. … Ich möchte die Realität in meiner Arbeit vollständig ändern, zur allerschönsten, genauso wie ich es möchte.“ Mit anderen Worten: Nichts ist vertraut auf diesem Bild, alles ist Illusion, schöne Illusion. Kunst eben.
1957 geboren in Wolfsburg
1976–83 Studium Freie Kunst/Film an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig