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Camille Graeser (1892–1980)
Abgewandelte Quadrate, 1943


Öl auf Leinwand, 60 x 90 cm
(c) VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Auf einer querformatigen Leinwand dreht und wendet Camille Graeser quadratische Flächen, passt sie in darunter liegende Quadrate ein, die er, teilweise durch Farbränder akzentuiert, in unterschiedlichen Größen übereinanderschichtet. Durch den Einsatz von Komplementärkontrasten verändert sich die Wirkung der einzelnen Quadrate und deren Konstellation zusätzlich, grüne und rote Flächen treffen aufeinander, weiße Quadrate treten hervor und ziehen sich in den Bildraum zurück. Die strenge Form des Quadrats setzt Graeser in ein dynamisches Verhältnis, das dem Auge keine Ruhe gönnt und die Perzeption des Betrachters ständig in Bewegung hält.
Es ist eine durch und durch rationale Logik, die diesem Werk von Camille Graeser zugrundeliegt. Diese Logik aber erzielt – insbesondere in dem ausgeklügelten Zusammenspiel von Farbe und Form – eine ebenso fundamentale irrationale Wirkung. Camille Graesers Werk „Abgewandelte Quadrate“ entstand 1943, in einer Zeit, als Graeser nach zwei Jahren im militärischen Hilfsdienst die künstlerische Arbeit wieder aufnahm. Ein zentrales Anliegen ist dem Künstler in dieser Phase das Experimentieren mit einer geometrischen Formensprache, die „auf jeden Bezug zur sichtbaren Wirklichkeit“ verzichtet.
1892 geboren in Carouge/Schweiz
1898 nach dem Tod des Vaters Übersiedlung der Familie nach Stuttgart
1911–15 Ausbildung in der Fachklasse für Möbelbau und Innenarchitektur, Kunstgewerbeschule Stuttgart
1917 Eröffnung eines eigenen Ateliers für Innenarchitektur, Grafik und Produktgestaltung in Stuttgart
1918–19 Privatschüler von Adolf Hölzel in Stuttgart
1933 Übersiedlung nach Zürich
1937–38 erste konkrete Ölbilder und Holzreliefs
1937 Mitglied der Künstlergruppe Allianz – Vereinigung moderner Schweizer Künstler, Zürich
1975 Kunstpreis der Stadt Zürich
1980 gestorben in Wald/Kanton Zürich