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Vanessa Henn (*1970)
vor ihrem Werk:

Steady as she goes, 2006
Aluminium, Stahl, PVC-Bezug gold
250 x 240 x 120 cm

Seit einigen Jahren beschäftigt sich Vanessa Henn mit Handläufen. Diese mit PVC überzogenen Stahlgeländer begegnen uns hierzulande überall, sei es in Wohnhäusern der 1950er und 1960er Jahre oder in öffentlichen Einrichtungen. Allerdings schenken wir diesem alltäglichen Gebrauchsgegenstand normalerweise wenig Beachtung. Wird er nun aus dem originären Zusammenhang gelöst und im musealen Kontext präsentiert, erhält der Handlauf eine ganz neue Qualität.
 
Für die Künstlerin steht der Handlauf wie eine Zeichnung im Raum. "Der Stahl oder das Metall wird zum Zeichenmaterial – wie sonst der Bleistift oder der Kugelschreiber. Es sind plastische Linien, die als abstrakte Darstellungen in den Raum gezeichnet werden und auch erzählerischer Natur sein können", sagt Vanessa Henn. Wie in vielen ihrer Arbeiten erzählt sie auch in diesem Werk etwas über sich selbst: Denn "Steady as she goes" ist nicht nur ein Titel, der den Gegensatz zwischen Bewegung und Beständigkeit in sich vereint, er könnte auch eine Charakterisierung der Künstlerin selbst sein, die ständig in Bewegung ist, nach vorn strebt und dennoch nicht auf Stabilität und Stetigkeit verzichten möchte.

Vanessa Henn entfunktionalisiert den Alltagsgegenstand und verleiht ihm eine gewisse Poesie. Die abstrakten, mit goldfarbigem PVC überzogenen Linien werden zum eigenständigen Objekt und animieren das Publikum, dem haptischen Reiz nachzugeben und seiner Form nachzuspüren. Ausnahmsweise ist es hier erlaubt, ein Ausstellungsexponat zu berühren und mit der Hand am Geländer entlangzugehen. Die Künstlerin spricht so ein menschliches Bedürfnis an, die Sehnsucht nach Berührung, nach tastendem Begreifen eines Gegenstandes. Zudem regt sie uns an, alltäglichen Dingen wieder mehr Beachtung zu schenken. Im Falle der Handläufe gelingt ihr das – denn, wenn man Vanessa Henn’s Arbeiten einmal kennen gelernt hat, betrachtet man zukünftig Handläufe mit anderen Augen.[GR]
Biographie
1970 geboren in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin
1992–2001
Staatliche Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart
1995–96 Edinburgh College of Art, Edinburgh
1999–2000 Master of Fine Art, University of Canterbury School of Fine Art, Christchurch/Neuseeland
1999 DAAD Jahresstipendium für Neuseeland
2002 Arbeitsstipendium des Landes Schleswig-Holsteinn, Cismar
2003 Cité Internationale des Arts Paris, Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
2004 Arbeitsstipendium des Landes Baden-Württemberg und des CEAAC, Strasbourg
2007 Arbeitsstipendium Le Triangle, Marseille
2008 Kompass, 1. Preis Kunst am Bau, Berufsakademie Villingen- Schwenningen