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Interview mit der Kunstsammlerin und Museumsgründerin Marli Hoppe-Ritter
Marli Hoppe-Ritter ist die Enkelin des Firmengründers der Alfred Ritter Schokoladenfabrik in Waldenbuch. Sie wuchs in Waldenbuch auf, studierte Jura in Tübingen und Heidelberg und war als Rechtsanwältin in Heidelberg tätig.
Seit 1978 ist sie Mitglied des Beirats von Ritter Sport. 1985 begann sie, junge Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen und zusammen mit ihrem Ehemann Hilmar Hoppe Kunstwerke der Moderne zu erwerben. Ab 1994 wurde die Sammlung zum Thema Quadrat aufgebaut. 2004/ 2005 wurde in Waldenbuch das MUSEUM RITTER erbaut, in dem neben Präsentationen der Sammlung Wechselausstellungen zur geometrisch-abstrakten Kunst gezeigt werden.
Frau Hoppe-Ritter, seit wann sammeln Sie Kunst und seit wann haben Sie sich dabei auf das Thema des Quadrats konzentriert?
Das erste Bild habe ich im Oktober 1993 auf der Art Cologne gekauft, eine kleine Postkarte von Sol LeWitt von 1980. Es ist eine Darstellung des Pantheons in Rom, auf der Rückseite hat LeWitt ein Quadrat gezeichnet. Von da an habe ich mich systematisch damit befasst, zum Thema Quadrat Kunst zu sammeln. Ich habe mich immer für Kunst interessiert und bereits früher Bilder zusammen mit meinem Mann angekauft. Auslöser für die thematische Konzentration war die Ausstellung „Von zwei Quadraten“ (1986) im Wilhelm-Hack-Museum (Ludwigshafen). Der Titel spielte auf die beiden Quadrate in einem Bild von Malewitsch an.
Ihre Sammlung erstreckt sich bis in die Gegenwart. Wie gehen die jüngeren Künstler mit dem Quadrat um?
Es gibt noch Künstler, die in der Tradition der konkreten Kunst stehen. Das Quadrat hat jedoch bei vielen zeitgenössischen Kunstrichtungen einen wichtigen Stellenwert – das macht das Sammeln auch in der Gegenwartskunst so spannend.
Hatten Sie von Anfang an die Absicht, eine Sammlung zu begründen?
Ja, 1993 habe ich diesen Entschluss gefasst. Dabei war ich immer sehr froh, dass es für die Sammlung ein Thema gibt, weil ich dadurch viel mehr in die Tiefe gehen kann.
Wann entstand die Idee, Ihre Sammlung öffentlich zu zeigen?
Im Jahr 2000 wurde meine Sammlung erstmals im Mannheimer Kunstverein unter dem Titel „Nicht Ruhe geben, bevor die Erde quadratisch ist“ gezeigt. Die Sammlung sollte daraufhin einen festen Ort bekommen. Dabei entstand relativ schnell die Idee, hier in Waldenbuch zu bauen. Die Nähe zur Firma Ritter und die reizvolle Lage im Aichtal spielten dabei eine entscheidende Rolle. Nicht zuletzt ist das Museum nun auch vom Gebäude her gekoppelt an das Besucherzentrum von Ritter Sport, was einen Besuch in Waldenbuch noch attraktiver macht.
Wie ist Ihr Museum zu bezeichnen – ist es ein Stiftermuseum oder ein Museum der Firma Ritter Sport?
Es ist mein privates Museum, das allerdings ohne die Firma Ritter Sport nicht hätte entstehen können. 2004 habe ich eine Stiftung zur Förderung der Kunst gegründet, die Trägerin des Museums ist.
Was am Neubau auffällt, ist der Schwerpunkt auf ökologische Gestaltung und Energieeffizienz. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Mein Bruder Alfred Ritter und ich sind seit vielen Jahren sehr engagiert in ökologischen Fragen. Wir haben früh damit begonnen, die Firma Ritter ökologisch auszurichten. Außerdem unterstützen wir seit 1990 eine Initiative für ökologischen Kakaoanbau in Nicaragua. Dass wir das Museum ökologisch ausrichten, war für uns also fast eine Selbstverständlichkeit.
Wie ist die Rollenverteilung zwischen Ihnen und der Museumsdirektorin Gerda Ridler?
Frau Ridler hat das Ausstellungskonzept und das Veranstaltungsprogramm des Museums entwickelt. Beides wird von einem Kuratorium getragen, dem ich selbst und die beiden Kunsthistoriker Dr. Martin Stather und Dr. Andreas Bee angehören. Mit Gerda Ridler haben wir eine Leiterin gewählt, die neben den klassischen Museumsaufgaben auf Besucherorientierung großen Wert legt und im Museum einen besonderen Service bieten wird.
Sie legen in Ihren Plänen einen Schwerpunkt auf die Vermittlungsarbeit, etwa mit Angeboten für Kinder und Jugendliche. Was haben Sie da konkret vorgesehen?
Die Vermittlung von Kunst und die Betreuung unserer Besucher sind für uns sehr wichtig. Abstrakte und geometrische Kunst braucht eine besondere Vermittlung. So bekommt jeder Besucher zur Eintrittskarte kostenlos einen Audioguide, wir veranstalten thematische Ausstellungsgespräche und Führungen hinter die Kulissen. Außerdem bereiten wir spezielle Angebote für Menschen unterschiedlichen Alters vor. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Kindern und Jugendlichen, denn sie sind die Besucher von morgen.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
Mein Wunsch ist es, dass das MUSEUM RITTER ein lebendiger Ort der Kunstbegegnung wird und dass nicht nur ein großes Publikum, sondern auch alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Firma von dem Museum angesprochen und angeregt werden.
Die Fragen stellte Johannes Wendland. |
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