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Hommage an das Quadrat
(18. Oktober 2009 - 11. April 2010)
François Morellet- Die Quadratur des Quadrats
(17.05. - 27.09.2009)
Biographie François Morellet
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SQUARE
(18.09.2005 - 23.04.2006)
 
 
 
 
 
   
"Kunstwerke sind Picknickplätze"
François Morellet im Gespräch mit Gerda Ridler
 
Gerda Ridler:
François, Sie sind einer der wichtigsten Vertreter der Geometrischen Abstraktion und seit den frühen 1950er Jahren einer ihrer Hauptakteure. Wo sehen Sie selbst Ihren Platz innerhalb der Konkreten Kunst
?

François Morellet:
Bevor ich sage, wo ich meinen Platz in der Konkreten Kunst sehe, möchte ich darüber sprechen, welchen Platz die Konkrete Kunst in den Ländern einnimmt, die sich für abendländische Kunst interessieren. Die ersten Plätze belegen die Schweiz, Deutschland, die Beneluxländer, Brasilien, Argentinien und Venezuela, dann folgen die Länder, in denen man davon gehört hat, wie Italien oder die nordischen Länder, und schließlich jene Länder, in denen die große Mehrheit der Kunstliebhaber noch nie etwas davon gehört hat. Frankreich gehört zu dieser dritten Gruppe.
Ich glaube, in der Schweiz und in Deutschland hält man mich für so etwas wie einen Außenseiter der Konkreten Kunst. Manche meiner Werke, wie „La géométrie dans les spasmes“, „cul con non nul“, „RECREATIONS“ und „Après réflexion“, sind tatsächlich viel eher mit Dada als mit Max Bill verwandt. Eigentlich bin ich kein Anhänger seriöser, didaktischer Kunst. Die Vorstellung, die man sich von mir in Zürich oder in Rio de Janeiro macht, ist mit Sicherheit sehr verschieden. 
Gerda Ridler:
Der Untertitel der Ausstellung lautet: „Eine Introspektive“. Was erwartet uns bei dieser Innenschau? Timm Ulrichs hat 2004 einen introspektiv-autobiografischen Film mit dem Titel „Durchsicht durchs Ich“ gedreht, bei dem eine winzige Kamera den Weg durch den Verdauungskanal des Künstlers dokumentiert. Geben Sie uns bei Ihrer Introspektive ähnlich intime Einblicke?

François Morellet:
Ich habe das Substantiv „eine Introspektive“ aus viel frivoleren Gründen gewählt, als Sie vermuten. Zunächst einmal, weil es dieses Wort im Französischen nur als Adjektiv gibt und man im Gegensatz zu „Retrospektive“ nicht an eine Ausstellung denkt. Es handelt sich also nicht um eine Ausstellung, die meine Werke in historischer oder rekapitulierender Manier präsentiert. Nein, es handelt sich nur um eine Ausstellung von mir über mich, die mit dem Museum Ritter-Team realisiert wird. Es wird keine tiefsinnige, intime Botschaft enthüllt, die es nicht schicklich wäre, an einem öffentlichen Ort preiszugeben. Ich bleibe nun mal leider ein unverbesserlich frivoler Greis.
Gerda Ridler:
Sie werden oft als bedeutender Vertreter der Konkreten Kunst bezeichnet. Dabei sind Sie doch alles andere als ein orthodoxer Verfechter dieser Zunft. Ihr Œuvre ist nicht puristisch streng, sondern gekennzeichnet von Humor und Ironie. Sie sind ein Meister der geistreichen Anspielung und Andeutung. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch die Kombination von geometrischem Kalkül und Lebensfreude aus. Man hat immer ein Lächeln auf den Lippen, wenn man Ihre Werke betrachtet. Bezogen auf die Konkrete Kunst haben Sie gesagt, dass Richard Paul Lohse ein seriöser Vertreter war, Sie hingegen sind … ?

François Morellet:
Ja, ich bin ein ungläubiger Orthodoxer, ein Lästerer aller Glaubensrichtungen! Oder, um mich weniger geschwollen auszudrücken, ich meide das Transzendentale und Seriöse. Mir scheinen Humor, Ironie, Spott und Frivolität die notwendige Würze zu sein, um Quadrate, Systeme und alles Übrige verdaulich zu machen.
Gerda Ridler:
Neben der humorvollen Note zeichnet sich Ihr Werk durch Sparsamkeit, Effizienz und einen Hang zur Vereinfachung aus. Frei nach der Devise: größtmöglicher Nutzen durch kleinstmöglichen Einsatz.

François Morellet:
Ja, das stimmt, ich bin stolz, wenn sich eines meiner Systeme mit einem Minimum an Aufwand „konkretisieren“ lässt, und außerordentlich froh, wenn das entstandene Werk nicht zu groß, nicht zu schwer und … nicht zu teuer ist (was die Fabrikation angeht natürlich).
Gerda Ridler:
Während Sie im Ausland und speziell hier in Deutschland ein sehr anerkannter Künstler sind, hat man den Eindruck, dass die Franzosen sich erst jetzt für Ihr Œuvre interessieren. Woran liegt das?

François Morellet:
Ihre Frage habe ich mir natürlich auch schon gestellt. Das Desinteresse der Franzosen bezieht sich meiner Meinung nach auf die gesamte konstruktive, systematische und insbesondere die konkrete Kunst. Das ist umso erstaunlicher, da bis zum 19. Jahrhundert eine gewisse Vorliebe für konstruktive Strenge eine „ausgesprochen französische“ Spezialität gewesen zu sein scheint. Jean Fouquet, Georges de La Tour, Nicolas Poussin, Philippe de Champaigne, Ingres und andere waren nicht Vorläufer der Romantik, des Expressionismus, des Impressionismus, des Surrealismus oder sonstiger Mystizismen. Ihre Enkel im 20. Jahrhundert wären eher Leute wie Mondrian, van Doesburg, Vordemberge-Gildewart, Bill oder Lohse gewesen, die man in Frankreich unterschätzt.
Es wäre an den klugen Kunsthistorikern herauszufinden, warum…
Gerda Ridler:
„Kunstwerke sind Picknick-Plätze, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat.“ Können Sie uns dieses Zitat abschließend kurz erläutern?

François Morellet:
Seit 1970/71, nachdem ich gemerkt hatte, dass es „der aufgeklärte Kunstliebhaber ist, der den Werken einen Sinn verleiht“ – ohne Rücksicht darauf, was der Autor zu sagen oder zu schreiben hatte und oft im krassen Gegensatz zur Interpretation anderer Kommentatoren – habe ich (nach vielen Umwegen, die darzulegen der Platz hier nicht ausreicht) den Schluss gezogen, dass „… die bildende Kunst es dem Betrachter erlauben muss, das in ihr zu finden, was er möchte, das heißt das, was er von sich aus mitbringt. Kunstwerke sind Picknickplätze, spanische Wirtshäuser, wo man das verzehrt, was man selber mitgebracht hat…“.
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