Jochen Twelker
Tote tragen keine Karos, 1996

Aquarell 96 x 62,5 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


Strenggenommen handelt es sich bei den Gemälden von Jochen Twelker nicht um abstrakte Arbeiten, auch wenn sie flächendeckend Strukturen oder Mustern zeigen. Die Wahl des dargestellten Ausschnittes jedoch erschwert die Entschlüsselung des Bildgegenstandes.
Durch Unregelmäßigkeiten in den Mustern und die Modulation durch Licht entsteht im Bild eine Körperlichkeit von hoher Plastizität. Hierin liegt der Schlüssel zum Bildcode: Jochen Twelker malt menschliche Körper, oder besser gesagt, die Kleidung, die diese Körper einhüllt.
Im Aquarell Tote tragen keine Karos sind es die ungewohnte Perspektive und die Strukturähnlichkeit von Untergrund und darauf platzierter Figur, die die Darstellung verfremden. Eine Person in kariertem Anzug liegt auf einem Teppich oder Stoff in gleichem Muster. Selbst das Gesicht ist, wie in einer Computerüberarbeitung zur Wahrung der Anonymität, durch die Rasterstruktur unkenntlich gemacht. Lediglich die Deformation der Quadrate lässt, ähnlich dem Gestaltungsprinzip von Vasarély, aus dem Geflecht der Formen einen Körper erwachsen.
Die Bildtitel, die häufig berühmten Filmklassikern entlehnt sind, ergänzen das erzählerische Moment in Twelkers Bildern, doch sie führen nicht zu deren Verständnis. Twelkers Arbeiten bleiben auf diese Weise im Spannungsfeld zwischen der Eindeutigkeit der Form und der Rätselhaftigkeit des Inhalts angesiedelt.

 



1957 geboren in Bielefeld  
lebt und arbeitet in Berlin