Leon Polk Smith
Diagonal Passage, 1947

Öl auf Leinen
Durchmesser 147 cm

 

 


1906 geboren in Chickasha, Indianerterritorium bis 1907 / Oklahoma  
1996 gestorben in New York  


Leon Polk Smiths künstlerische Karriere startete verhältnismäßig spät. Im Alter von fast vierzig Jahren begann der 1906 auf einem Indianerterritorium der Cherokee geborene Smith, Werke auf der Grundlage eines geometrischen Formenkanons zu schaffen. Es sind besonders die dem Hard Edge zugeschriebenen Gemälde, mit denen Smith ab Ende der fünfziger Jahre neben Künstlern wie Ellsworth Kelly oder John McLaughlin die spezifisch amerikanische Ausprägung der Abstraktion mitformulierte. In den großformatigen Hard Edge-Bildern treffen glatte, homogene Flächen meist zweier kontrastierender Farben aufeinander. Das Spannungsvolle der Komposition ergibt sich dabei aus dem Aufeinandertreffen der Flächen an einer scharf gezogenen Linie. Smiths oft nach einer visuellen Vervollständigung verlangenden Formen füllen Bildflächen, die ihrerseits geformt sind. Von diesen shaped canvases fügte er mehrere aneinander und hinterfragte auf diese Weise die in der Malerei geltenden Parameter der rechteckigen Leinwand und der neutralen Wandfläche. Wo ist ein Bild zu Ende? Welche innerbildlichen Konstanten bestimmen über Grund und Figur, Bildform und Bildraum? Diese Überlegungen fußten bei dem nach seinem eigenen Weg suchenden Künstler auf einer intensiven Beschäftigung mit dem Werk Piet Mondrians, dem er zum ersten Mal im Jahr 1936 in der Gallation-Collection der New Yorker Universität begegnete. „I have not seen a painting since that has given me an idea for my work in any sort of way“, beschrieb der Künstler dieses prägende Erlebnis.
Das Werk „Diagonal Passage“ steht deutlich unter dem Einfluss der neoplastizistischen Ideen des holländischen Künstlers. Es legt den Fokus auf die diagonalen Form- und Farbbezüge in einem allein aus orthogonalen Elementen bestehenden Bild und setzt sich auf diese Weise mit der von Mondrian kategorisch abgelehnten Diagonale auseinander. Indem Smith die Komposition einem kreisrunden Leinwandformat einverleibt, schließt er ein weiteres Gedankenspiel mit ein: Im Kreis kann die Linie jede beliebige Funktion einnehmen, sei es die Diagonale, Vertikale oder Horizontale. Ohne den großen Meister respektlos zu behandeln, gelang es Smith damit, das dogmatische Korsett der Moderne abzustreifen.