Hans Peter Reuter (*1942)
Schokoladenblau 6/2/7, 2006

Ultramarin auf Holz und MDF, 47 x 47 x 8 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

Seit Anfang der 1970er Jahre schafft Hans Peter Reuter illusionistische Bildräume, die fast ausschließlich auf einem quadratischem Raster beruhen. Modelliert durch die Perspektive der Rasterung sowie durch Licht und Schatten ziehen diese Räume den Betrachter ins Bild hinein. Schon früh vertraut sich Reuter der Farbe Blau an, weil sie die räumliche Wirkung seiner zweidimensionalen Bilder noch intensiviert. Die Räume sind entleert von jeglicher Ding- oder Menschenwelt. Der Betrachter scheint ihr einziger Zeuge zu sein.

Mitte der 1980er Jahre vollzieht Reuter eine Zuspitzung, die sein Werk bis heute auszeichnet. Er beschränkt sich auf eine einzige Farbe: Ultramarin. Der Künstler arbeitet fortan mit nuancierten Abstufungen dieser energiegeladenen Farbe – man könnte sagen, er malt, als ginge es um die reine Malerei; aber das träfe den Sachverhalt nur ungenügend. Denn darüber hinaus vollzieht er eine perspektivische Kehrtwende, indem sich seine Bilder nicht mehr in den Bildraum hinein, sondern eher auf den Betrachter zu bewegen. „Die Illusion steigert sich bis hin zu objekthafter Gegenwärtigkeit“, schreibt Heinrich Klotz 1995. Die echte Substanz, von der Hans Peter Reuter spricht, wird dadurch fast schon greifbar. Gemeinsam bahnen sich beide ihren Weg von der Oberfläche des Bildes oder Objektes in Richtung des Betrachters: formal, essenziell und schokoladenblau.

 



1942 geboren in Schwenningen/Neckar  
Hans Peter Reuter lebt und arbeitet in Lauf bei Nürnberg