Winfred Gaul
Diamond Blues III, 1967/69

Acryl auf Leinen, aufgezogen auf Spanplatte
Ø 100 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

 

 

1928   geboren in Kalkum (Düsseldorf)  

2003   gestorben in Düsseldorf  

 

Als Winfred Gaul 1959 mit seinen informellen Bildern an der documenta 2 teilnahm, markierte dies den Höhepunkt seines internationalen Erfolgs als junger deutscher Vertreter der gestischen Malerei. Etwa in dieser Zeit begann er jedoch, statt mit dem Pinsel nun mit dem Lappen eine Reihe von sogenannten Wischbildern anzufertigen, in denen sein neues Streben nach einer weiteren Klärung der bildnerischen Mittel sichtbar wird. Unter dem Eindruck eines längeren Aufenthaltes in den USA fand er um 1962 schließlich zu einer radikalen Umformulierung seiner Malerei, die sich durch ein geometrisches Bildvokabular, klar definierte Formflächen und eine leuchtende Farbpalette auszeichnet. Diese Werkphase dauerte ein Jahrzehnt und wurde vom Künstler Verkehrszeichen und Signale tituliert. Trotz dieses stilistischen Wandels fand Winfred Gaul auch mit diesen Werken rasch Anerkennung. So war er 1967, als er das Bild Diamond Blues III begann, in der Ausstellung Formen der Farbe in Stuttgart und in Bern vertreten, wo sein Werk in den Zusammenhang mit Hard-Edge-Malerei, Farbfeldmalerei und shaped canvas-Bildern aus den USA und Europa gestellt wurde. Diese stilistische Offenheit, die das Œuvre Winfred Gauls kennzeichnet und ihn in den siebziger Jahren zu einer erneuten Umorientierung seiner Malerei führte, begründete der Künstler damit, »[…] das Phänomen der Malerei von immer wechselnden Ansätzen her einzukreisen und zu analysieren.«
Diamond Blues III ist ein Rundbild mit einer zentral platzierten, rot umrandeten Raute, auf Englisch »diamond«. Der Bildtitel benennt neben dem dargestellten Motiv auch die zwei Farbtöne, ein kräftiges Mittelblau und ein Hellblau. Die zu Beginn der sechziger Jahre in seinem Werk verarbeiteten Zitate aus der populären Werbe- und Medienkultur lässt Winfred Gaul in diesem Bild völlig weg und bedient sich anstatt dessen der Kommunikationsästhetik der mobilen Gesellschaft. Tatsächlich erinnern das kreisrunde Bildformat, die frontale, präzise Darstellung der Formen sowie die homogenen Farbflächen an die plakative Signalwirkung eines Verkehrsschildes. Dabei geht es Winfred Gaul sowohl um eine größtmögliche Versachlichung seiner Malerei als auch um die Wirkungsmöglichkeiten von Farbe. Die zentrierte, nicht-relationale Anordnung der Elemente verhindert jegliche Illusion und narrative Lesart. Die Farbgrenze definiert zugleich die Formgrenze. Durch die Progression von der viereckigen über die abgerundete Rautenform hin zum vollendeten Kreis wird das hierarchische Verhältnis von Figur und Grund aufgehoben, so dass Bildmotiv und Bildformat zu einer logischen Einheit verschmelzen. Damit erscheint das Gemälde betont flächig und zugleich objekthaft. Diese gesteigerte Sachlichkeit in Bezug auf Konstruktionsschema, Farbauftrag und Präzision unterscheidet das Bild Winfred Gauls von Josef Albers‘ Homage to the Square-Serie. Der Kalt-Warm-Kontrast zwischen den Farbformen trägt zum zeichenhaften Charakter des Bildes bei, während das Ineinander der verschiedenen Blautöne eine gewisse Raumwirkung erzeugt.