Hermann Glöckner
Dreieckige Erhebungen auf Rot,
1960/1974–1976

Tempera auf Papierfaltung
71,5 x 50 cm
 


Durchdringung zweier Quadrate, 1971/1978
Tempera auf Papierfaltung
50 x 71,5 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015


1889   geboren in Cotta bei Dresden  
1987   gestorben in Berlin (West)  


In Hermann Glöckners Œuvre, das in Dresden vor dem historischen Hintergrund der zwei Weltkriege und der DDR-Diktatur entstand, taucht das Thema der Faltung über fünf Jahrzehnte hinweg kontinuierlich auf. Bereits in den 1930er-Jahren begann der Künstler, durch den Akt des Faltens die Komplexität seiner Darstellungen zu erhöhen. In dem um 1935 entstandenen Schlüsselwerk „Räumliche Brechung eines Rechtecks“ gelangte Glöckner durch das dreimalige Brechen einer rechteckigen Messingplatte um 60, 270 und 90 Grad nicht nur zu einer dreidimensionalen Form, sondern er steigerte die Erscheinungsweise der Arbeit auf sieben verschiedene Möglichkeiten.

Bis heute behauptet die Faltung ihren festen Platz in der Konkreten Kunst. Dies mag daran liegen, dass die Übersetzung von Linien in klar gezogene Faltkanten dem Verständnis von einer sachlichen Formensprache entgegenkommt. Glöckner hat sich dem Diktum der rein geometrischen Konstruktion jedoch nie völlig hingegeben. In Bezug auf das Medium der Faltung war es ihm vielmehr wichtig, auch dem Eigenwert des Materials Raum zu geben. So verwendete er unterschiedliche Papiersorten, die er je nach ihrer Beschaffenheit faltete oder zerknitterte: feste Papiere, deren Oberflächen er farbig gestaltete oder durchscheinende Papiere, die durch die Faltung mehrere Ebenen sichtbar werden ließen. Das Material Kunststoff brachte er in eine kurvige, vom Zufall beeinflusste Form, wohingegen er Metall an den harten Kanten brechen ließ.
 
Die hier vorgestellten Werke gehören zu einer Reihe von Papierfaltungen, die vom Künstler zusätzlich mit Temperafarbe koloriert wurden. Bei der Bemalung orientierte sich Glöckner an den Linien, die sich aus den Faltungen ergaben. Er schuf dabei aber größere Formzusammenhänge. Innerhalb der einzelnen Flächen bleiben weitere Faltkanten sichtbar, die auf den prozesshaften Charakter des Dargestellten – das Falten und Entfalten – verweisen.
Die „Durchdringung zweier Quadrate“ stellt die Frage nach Positiv und Negativ in einer klaren, symmetrischen Komposition. „Dreieckige Erhebungen auf Rot“ lässt sich durch die Bemalung in Schwarz und Weiß auf ein interessantes Wechselspiel von Außen und Innen ein, das jeder gefalteten Fläche inhärent ist.