Lajos d’Ébneth: Abstrakte Komposition, 1953/57
Tempera und Bleistift auf Karton
60  x 50 cm

 

 

1902   geboren in Szilágysomlyó, Österreich-Ungarn
(heute Rumänien)  

1982   gestorben in Chaclacayo, Lima, Peru


Die Arbeit "Abstrakte Komposition" aus dem Jahr 1953 lässt Lajos d’Ébneths künstlerische Wurzeln im Konstruktivismus erkennen. Nachdem der gebürtige Ungar Kunst und anschließend Ingenieurwesen in Budapest studiert hat, geht er 1922 nach München zu Franz Stuck. Sein Umzug nach Berlin im April 1923 und das Zusammentreffen mit der lebendigen Kunstszene um László Moholy-Nagy und Herwarth Waldens Galerie „Der Sturm“ lassen d’Ébneth seine bis dahin symbolistisch und expressionistisch geprägten Arbeiten zerstören und einen künstlerischen Neuanfang ganz im Sinne der modernen, konstruktiv-abstrakten Entwicklungen wagen. Von diesem Zeitpunkt an bewegt er sich selbstbewusst in den Avantgarde-Kreisen, zwischen Dadaisten, Konstruktivisten und De Stijl-Künstlern. Besonders profitiert er von dem Kontakt zu Kurt Schwitters, der den jungen Künstler gewissermaßen protegiert. Schwitters verbringt seine Sommerferien 1926 in dem von d’Ébneth bezogenen Haus im holländischen Kijkduin, wo die beiden einen intensiven künstlerischen Austausch pflegen.  
In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre erreicht d’Ébneth die Blütezeit seines künstlerischen Schaffens. Voller Enthusiasmus wendet er die moderne Formensprache auf verschiedene Bereiche an: Es entstehen Malereien, Reliefs, Collagen, typografische Entwürfe, Werbeanzeigen, ein mechanisches Figurentheater und schließlich auch Architekturentwürfe. Er nimmt an Ausstellungen der Galerie „Der Sturm“ teil, ist 1926 Mitherausgeber der Kunstzeitschrift „Het Woord“ [Das Wort], zeigt seine Grafikdesignentwürfe 1927 in der Zeitschrift „i10“, ist Mitglied der Berliner Gruppe „Die Abstrakten“ und wird 1927 von Walter Gropius zu einem Arbeitsbesuch ins Bauhaus nach Dessau eingeladen.  
Die Zeichnung aus der Sammlung des Museum Ritter stammt aus der zweiten Schaffensphase des Künstlers, der sich 1949 in Peru niederlässt. Es ist zu vermuten, dass d’Ébneth dort unter anderem noch einmal an seine frühen Arbeiten anknüpft. Die Zeichnung zeigt die geometrischen Grundformen Viereck, Kreis und Dreieck, welche über orthogonal angeordnete Linien in ein harmonisches Zusammenspiel gebracht werden. Bis auf eine goldene Kreisform sind alle Elemente miteinander verbunden, sie stoßen aneinander und überlagern sich. Es entsteht eine Räumlichkeit, die nur als bildnerisches Konstrukt funktionieren kann und womit d’Ébneth retrospektiv noch einmal demonstriert, wie die Moderne darauf zielte, losgelöst von der wahrnehmbaren Wirklichkeit einen Bildraum allein aus Formen und Farben zu gestalten.