Kunst mit Schokolade


13. Mai bis 30. September 2012

Kuratoren:
Dr. Barbara Willert und Jörg Meißner

Mit dieser Ausstellung erlaubte sich das Museum Ritter eine Abweichung vom gewohnt quadratischen Kurs des Ausstellungsprogramms und zeigte Kunst rund um das Thema Schokolade. Anlass für diesen Exkurs war das 100-jährige Jubiläum der Firma Ritter im Jahr 2012.  

Über Schokolade ist viel gesagt worden: Immer sei sie eine Sünde wert, sie dufte verheißungsvoll, schmecke vorzüglich, sie tröste und beruhige die Nerven. Den Verzehr von Schokolade empfinden die meisten als veritablen Hochgenuss, doch bei zu viel des Guten kommt schnell ein bitterer Beigeschmack auf. Dass diese verführerische, zugleich exotische wie alltägliche Substanz auch von der modernen Kunst als überaus reizvoller Stoff entdeckt worden ist, verwundert kaum. Ja, es ist gerade ihre große Sinnlichkeit, aber auch ihre vielschichtige Ambivalenz im Spannungsfeld zwischen Lust und Laster, es ist also ihr hohes Potenzial zur Widersprüchlichkeit, das zur künstlerischen Reflexion herausfordert.

Wenngleich ihrer ursprünglichen Bestimmung nach ein kunstfernes Material, so eignet sich Schokolade doch vorzüglich als malerisches oder als bildhauerisches Mittel, das gleich mehrere Sinne simultan anspricht. Im Unterschied zu den traditionellen Werkstoffen der Kunst unterliegt sie jedoch einem vergleichsweise raschen natürlichen Verfallsprozess. Dem Ewigkeitsanspruch der Kunst erteilt das Material Schokolade somit eine Absage. Dennoch, oft sogar gerade deshalb, hat sich seit der Nachkriegszeit die kakaohaltige Substanz als Werkstoff in der bildenden Kunst etabliert.

Abbildungen von links oben nach rechts unten:
Cornelius Völker, Schokolade, 1995 Sonja Alhäuser, Schokoladenmaschine 1, 1997 (Detail)
Ausstellungseinblicke
David Neat, Faim de Siècle, 2000
Karin Kneffel, o.T. (Bild 2011 / 5), 2011 alle © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

 

So bot die Schau mit fast 60 Objekten, Gemälden, Grafiken, Installationen, Fotografien und Videos von über 35 Kunstschaffenden des 20. und 21. Jahrhunderts einen überaus facettenreichen Einblick in die Kunst aus dem Material und mit dem Motiv Schokolade. Wichtige historische Positionen von Künstlern wie Kurt Schwitters, Marcel Duchamp, Joseph Beuys und Dieter Roth fehlten dabei ebenso wenig wie Materialbilder oder Collagen der 1960er und 1970er Jahre sowie herausragende Beispiele der ganz aktuellen Kunst mit Schokolade. Die Arbeiten zeigen, wie unterschiedlich, dabei oft verführerisch, immer aber originell die künstlerische Auseinandersetzung mit Schokolade bis heute ausfällt. Diese Kunst hat mindestens so viele Facetten, wie es Schokoladensorten gibt.

 

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung:
Sonja Alhäuser, Peter Anton, Günter Beier, Joseph Beuys, Corrado Bonomi, Stephen Craig, Paul McCarthy, Marcel Duchamp, Maria Dundakova, Ulrike Flaig, Yang Ah Ham, Richard Hamilton, Al Hansen, Thomas Heger, Dagmar Hugk, Klaus Illi & Bettina Bürkle, Ruth Knecht, Karin Kneffel, Lernert & Sander, Anja Luithle, Guido Münch, David Neat, Mel Ramos, Thomas Rentmeister, Hans Peter Reuter, Dieter Roth, Judith Samen, Karin Sander, Roswitha Schaab, Rolf Schneider, Roswitha Schober, Kurt Schwitters, Timm Ulrichs, Cornelius Völker, Wolf Vostell.

Wettbewerb für Studierende: Ergänzend zu den etablierten Positionen waren die schokoladigen Ergebnisse eines studentischen Wettbewerbs zu sehen, den das Museum Ritter für Studierende der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ausgeschrieben hatte.