Daniel Buren

Broken Squares. Works in situ and mobile 2011-2013

12. Mai bis 22. September 2013


Künstlerische Interventionen an Plätzen und Gebäuden, in Straßen, Landschaften und Innenräumen sind Daniel Burens Spezialität. Seit Jahrzehnten ist er weltweit unterwegs, um mit seinen wohldurchdachten Eingriffen neue Möglichkeiten des Sehens zu eröffnen.

Das Prinzip der sich wiederholenden, exakt 8,7 cm breiten, senkrechten Farbstreifen hat Daniel Buren berühmt gemacht. Die Idee dazu entwickelte er bereits Mitte der 1960er Jahre aus Protest gegen das dröge Establishment des institutionalisierten Kunstbetriebs, der seinem Empfinden nach den Blick auf das Wesentliche verstellte. Mit den sinnfreien Streifenmustern wollte er das Bewusstsein für die geometrischen Grundfesten der Malerei wieder schärfen und zugleich die Grenzen des herkömmlichen Bildträgers überwinden, indem er die an Ort und Stelle ausgeführten Werke auf Wand- und Bodenflächen ausdehnte.

Seit den 1970er Jahren hat sich Daniel Burens gestalterisches Repertoire um eine schier endlose Vielfalt an Werkstoffen wie zum Beispiel transparente Farbfolien, Spiegel, Beton, Holz, Stein, Stahl und Plexiglas erweitert. Konstant im Einsatz und seit 1965 unverändert in Abmessung und Disposition sind allein die Streifen geblieben. Sie sind das einzige nicht-variable „visuelle Werkzeug“ des Künstlers, das er an unterschiedlichsten Orten und Situationen in Kombination mit den verschiedensten Materialien verwendet.

Zentrale Arbeit im Erdgeschoss des Museums war die begehbare Installation Two exploded Cabins for a Dialog. Zwei große, ineinander verschränkte Würfel (Cabins) stehen sich hier dialogisch gegenüber. Mühelos vereinen die beiden Kuben widersprüchliche Eigenschaften: Sie sind zugleich statisch und dynamisch. Der Klarheit des Entwurfs steht ein labyrinthartiger Raumeindruck gegenüber; geschlossene Wandflächen wechseln sich mit großen Durchgangsöffnungen ab, und die Opazität der Außenhaut wird dank ihrer Verkleidung mit Spiegelfolie visuell aufgehoben. So verschmelzen die Cabins in der Wahrnehmung des Betrachters mit dem Ort ihrer Ausstellung zu einer nahtlosen Einheit.

Für das Museum Ritter entwickelte Daniel Buren zwei temporäre Arbeiten, die die großen Glasflächen der offenen Museumspassage bespielen. Gezielt nehmen sie auf die örtlichen Gegebenheiten Bezug: Während transparente Farbfolien an den hohen Deckenverglasungen im Passagenraum für ein beeindruckendes Spiel aus Farbe und Licht sorgen, greift der Künstler in einer raffinierten Streifenarbeit an der Glasfront der Passage das für das ganze Haus so essenzielle Thema Quadrat auf. Diese Interventionen sind ein Aufruf zum Sehen und zugleich eine Hommage an ihren Entstehungsort, den sie reflektieren und sinnlich erfahrbar machen. 

 

Abbildungen von oben nach unten:
Daniel Buren, Porträtfoto, Fotograf: Tom Oettle

Daniel Buren, Photo-Souvenir: Two exploded Cabins for a Dialog, 2011

Daniel Buren, Photo-Souvenir: Broken Square, Projected Colours, works in situ and mobile, Museum Ritter, Passage, 2013, Detail, Fotograf: Franz Wamhof

© Daniel Buren & VG Bild-Kunst, Bonn 2013