Rita Ernst

Unterwegs im Kosmos

09. Oktober 2011 bis 15. April 2012

 

 

Kuratorinnen:

Dr. Barbara Willert und Hsiaosung Kok

Die Schweizer Malerin Rita Ernst verfolgt seit rund 30 Jahren konsequent ihren künstlerischen Weg innerhalb der konstruktiven Kunst. In verschiedenen Werkzyklen erprobt sie immer wieder aufs Neue Spielarten einer abstrakt-geometrischen Gestaltung und erschafft sich einen jeweils eigenen Farben- und Formenkosmos. Der konkreten Tradition ihrer Zürcher Wahlheimat stets eng verbunden, nimmt sie sich – davon ausgehend – von Anfang an die Freiheit eigenständiger Bildlösungen.

Dort, wo Rita Ernst lebt und arbeitet, in Zürich und in Trapani auf Sizilien, und auch auf Reisen lässt sie sich für ihre Werke inspirieren. Mit ihrer Lust am Sehen spürt sie unscheinbare Ordnungen und Formstrukturen in der Alltagswelt auf: Die Wellen des Meeres interessieren sie ebenso wie die Muster altsizilianischer Bodenfliesen oder die Geometrie orientalischer Ornamente. In ihren früheren Werkserien arbeitet Rita Ernst mit einem vordefinierten Formenfundus, den sie oft innerhalb eines Quadratrasters nach eigenen Regeln systematisch weiterentwickelt, so dass neue, überraschende Farben- und Formenkonstellationen entstehen.

Seit Ende der 1990er Jahre dienen Rita Ernst Grundrisse als Vorlage für ihre Malerei. Inspiration findet sie sowohl in der sizilianischen Bautradition – den mächtigen, normannisch-arabischen Kathedralen der Insel oder den Paradiesgärten alter Paläste – als auch in der modernen Architektur von Ludwig Mies van der  Rohe. Die ausgewählten Grundrisse markanter Gebäude werden von ihr künstlerisch derart verfremdet und durch Additionsstrategien, Verschiebungen und Überblendungen in neue geometrische Zusammenhänge überführt, bis eine völlig neue, eigenwertige Komposition entsteht.

Während Rita Ernst bei diesem Abstraktionsverfahren überwiegend methodisch vorgeht, entsteht die unverwechselbare Farbenpracht ihrer Bilder eher assoziativ: Gold und Silber verwendet sie gerne, um in ihren Interpretationen sizilianischer Kathedralen Sakrales anzudeuten. In anderen Werkreihen findet die Helligkeit des Südens in strahlendem Blau oder in radikalen weißen Übermalungen zuvor kräftig bunter Farbfelder einen adäquaten Ausdruck. Der zeitlosen Eleganz der Moderne erweist sie in eher kühlen Farbstimmungen mit Schwarz, Weiß, Grau und Kupfer ihre Reminiszenz.
Die umfangreiche Werkschau im Museum Ritter gab Einblick in wichtige Schaffensphasen der Künstlerin und veranschaulichte die Entwicklung ihrer Kunst von den 1980er Jahren bis heute.

 

Abbildung oben:
Piazza Armerina, Duomo, 2000 © Künstlerin

 

 

 

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