Im Fokus: Die 1950er bis 1970er Jahre

Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter

22. Mai bis 18. September 2011

 

 

Kuratorinnen:

Marli Hoppe-Ritter und Hsiaosung Kok

Die Sammlungspräsentation zeigte in einem Überblick die Entwicklung der Konkreten Kunst zwischen den 1950er bis 1970er Jahren. Die Auswahl an Werken veranschaulichte, wie vielseitig sich die Künstler dieser Zeit mit Licht, Raum, Zeit und Ordnung auseinandersetzten.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitet sich in Europa eine optimistische Grundstimmung, die der wirtschaftliche Aufschwung, bahnbrechende technologische Errungenschaften und der allgemeine Wohlstand mit sich bringen. In der Arbeit vieler Künstler bildet sich ein rational-wissenschaftlicher Ansatz heraus, oft verbunden mit großer Experimentierfreude. Mit der radikalen Forderung, die Kunst in die Lebenswirklichkeit zu überführen, schlagen sich die großen gesellschaftlichen Reformdebatten unmittelbar in der Programmatik zahlreicher Künstler nieder. Um ihren ästhetischen Positionen eine größere Plattform zu verschaffen, schließen sich viele zusammen: Es entstehen die Gruppen der italienischen Arte Programmata, ZERO in Deutschland, die Pariser GRAV und die Zürcher Konkreten. Kennzeichnend ist dabei der internationale Austausch unter den Künstlern.

Im Fokus: Die 1950er bis 1970er Jahre

In der Malerei werden unter Anwendung systematischer Gestaltungsprinzipien Licht- und Farbräume, das Verhältnis von Farbe und Form sowie Möglichkeiten zur Dynamisierung der zweidimensionalen Fläche erkundet. Später, gegen Ende der 1960er Jahre, ist eine gesteigerte Sensibilität im Umgang mit dem Farbmaterial zu beobachten. Das Interesse gilt nun den Eigenschaften des Pigments im Verhältnis zu seiner Ausdehnung auf dem Bildträger. Eine Besonderheit dieser Epoche ist, dass Künstler vermehrt unkonventionelle Strategien einsetzen, die das klassische Tafelbild in die dritte Dimension überführen. Es entstehen Materialobjekte aus Aluminium, Plexiglas und anderen Werkstoffen, die, unter dem Einsatz von Licht und Bewegung, Ausdruck für die Bejahung einer Ästhetik der technischen Kultur sind. Zeitgleich zur Sammlungspräsentation fand im Museum Ritter eine Werkschau zum italienischen Maler Antonio Calderara statt. Das ist insofern aufschlussreich, als Calderaras Verständnis von Abstraktion von etlichen Künstlern dieser Ausstellung mit großer Anerkennung wahrgenommen wurde. Künstler und Künstlerinnen (Auswahl): Josef Albers, Getulio Alviani, Leo Breuer, Alberto Biasi, Max Bill, Davide Boriani, Dadamaino, Horacio García Rossi, Raimund Girke, Hans Jörg Glattfelder, Jean Gorin, Verena Loewensberg, Heinz Mack, Almir Mavignier, Vera Molnar, Aurélie Nemours, Grazia Varisco, Victor Vasarely

 

 

Abbildungen von links oben nach rechts unten:
Verena Loewensberg, o.T., 1966
Manfredo Massironi, Quadrati Ruotati, 1964
Hugo Demarco, Lumière, 1979
Victor Vasarely, o.T., 1950 © VG Bild-Kunst, Bonn 2011