Eröffnungsausstellung

SQUARE – Die Sammlung Marli Hoppe-Ritter

18. September 2005 bis 23. April 2006

Kuratoren:
Marli Hoppe-Ritter und Dr. Martin Stather


Seit den frühen 1990er Jahre sammelt Marli Hoppe-Ritter, die Mitinhaberin der Firma RITTER SPORT, Kunstwerke, die sich inhaltlich und formal mit dem Thema Quadrat auseinandersetzen. Über 600 geometrisch-abstrakte Werke des 20. und 21. Jahrhunderts haben die Sammlerin und ihr Ehemann inzwischen zusammengetragen. Die überwiegend aus Europa stammenden Gemälde, Grafiken, Plastiken, Collagen und Bildkästen zeigen, zu welch vielfältigen und überraschenden Ergebnissen Künstler im Umgang mit dem Viereck und seinen vier rechten Winkeln in den vergangenen 100 Jahren gelangten.

Mit knapp 100 Exponaten bot die Eröffnungsausstellung SQUARE einen repräsentativen Überblick über die Sammlung Marli Hoppe-Ritter. Die gezeigten Werke zeichneten zugleich exemplarisch die Geschichte der geometrischen Kunst von ihren Anfängen in den 1910er Jahren bis heute nach. Den chronologischen Ausgangspunkt der Ausstellung bildete eine kleine suprematistische Bleistift-Skizze von Kasimir Malewitsch aus dem Jahr 1915. Sie gab zusammen mit Werken von El Lissitzky, Alexandra Exter, Theo van Doesburg und anderen Einblicke in frühe abstrakte Strömungen wie den russischen Konstruktivismus, das Bauhaus und die De Stijl-Bewegung.

 

Wie vielfältig sich geometrische Tendenzen bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs weiterentwickelt haben, zeigten die ausgestellten Werke von Vertretern verschiedener Künstlergruppen der 1930er Jahre, etwa der „abstrakten hannover“ oder der französischen Gruppe „Abstraction–Création“. Josef Albers, der Maler der Quadrate schlechthin, war mit einem ungewöhnlich großen Gemälde in der Ausstellung vertreten ebenso wie die seit den 1940er Jahren aktive Gruppe der streng systematisch arbeitenden Zürcher Konkreten mit Max Bill, Verena Loewensberg, Richard Paul Lohse und Camille Graeser. Bewusst verzichteten diese Künstler in ihren Werken auf jeglichen Bezug zur Dingwelt.

War das Quadrat bis dahin vor allem ein dankbares Vehikel für konstruktive Experimente und geeignete Grundlage konkreter Kunst, so vollzog sich in den 1960er Jahren ein grundlegender Wandel: Die strengen ideologischen Vorgaben wichen nun neuen ästhetischen Konzepten. Hierzu zählten die Werke der Op Art von Victor Vasarely und Jesús Rafael Soto ebenso wie die kinetischen Bildobjekte von Vertretern der italienischen „Arte Programmata“. Ihre Arbeiten zeigten in Bewegung geratene Quadrate, die sich verformen und verbiegen. Erstmals kam das Licht als zentrales, bildgestalterisches Element zum Einsatz. Bis heute spielt die Wirkung von Licht in Arbeiten von François Morellet oder bei den ZERO-Künstlern Günther Uecker und Heinz Mack eine wesentliche Rolle.

Dass sich im Umgang mit der quadratischen Form fortwährend neue und spannende Möglichkeiten eröffnen, belegten die in der Ausstellung stark vertretene neuere und zeitgenössische Kunst. Während etwa Beat Zoderer, Leo Zogmayer, Imi Knoebel oder Dóra Maurer zu einem überraschend unkonventionellen, spielerischen und assoziativen Umgang mit der Quadratform gefunden haben, gibt es bis heute noch eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern, darunter Bob Bonies, Karl-Heinz Adler oder Rita Ernst, die erfolgreich in der strengen Tradition des konkreten Kunstschaffens arbeiten. Gerade die jüngsten Werke der Ausstellung SQUARE führten vor Augen, dass das Interesse am Quadrat in fast einem Jahrhundert Malerei- und Kunstgeschichte nichts an Aktualität verloren hat.